Leberwerte verstehen

Was ist der GGT- oder der GOT-Wert? Und was bedeuten die anderen Leberwerte? Wie hoch dürfen sie sein, wie kommt es zu einer Erhöhung der Leberwerte und was können Sie tun, um Ihre Leberwerte zu senken?

Das leistet die Leber

Die Leber ist das größte innere Organ und ein Multitasking-Talent. Sie verstoffwechselt Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße, speichert Vitamine und bildet notwendige Faktoren für die Blutgerinnung. Ihre wichtigste Aufgabe ist jedoch die Entgiftung. Sie baut Medikamente, Alkohol und Schadstoffe ab. Die Fähigkeit der Leber, sich zu regenerieren, ist sprichwörtlich. Im Gegensatz zu anderen Organen bildet sie sich nach. Deswegen sind Lebendspenden möglich. Für eine Transplantation genügt die Hälfte des Organs – sowohl beim Empfänger als auch beim Spender wächst der fehlende Teil nach.

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Leberwerte: Gamma-GT (GGT)

Das Enzym Gamma-Glutamyltransferase (kurz Gamma-GT, GGT oder γ-GT) ist von allen Leberwerten der aussagekräftigste Laborparameter. Der Referenzbereich (Normalwerte) hängt von Alter und Geschlecht ab; er liegt für Erwachsene unter 38 U/l (Frauen) bzw. 55 U/l (Männer). Für Kinder gelten andere Normalwerte. Die Einheit U (Unit) beziffert nicht absolute Mengen, sondern die Enzymaktivität. Als leicht erhöht gelten Werte bis 100 U/l, als stark erhöht über 200 U/l.

Wie entsteht erhöhte Enzymaktivität? Die Hauptfeinde der Leber sind Alkohol und fettes Essen. Seltener sind Hepatitis-Viren oder toxische Substanzen Auslöser für Leberschäden. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie verändern den Stoffwechsel der Leberzellen. Um Giftstoffe ab- und lebenswichtige Substanzen aufzubauen, benötigt die Leber Enzyme. Das sind chemische Verbindungen, die Transformationsprozesse beschleunigen und selbst unverändert bleiben. Sterben Leberzellen ab, so werden darin enthaltene Enzyme freigesetzt und gelangen ins Blut, wo ihre Aktivität erhöht messbar ist.

Leberwerte: GPT

Eine Erhöhung der GTP (Glutamat-Pyrovat-Transaminase) kann ein Hinweis auf eine Schädigung von Leber und Galle sein. Die Referenzwerte liegen bei 10–35 U/l (Frauen) bzw. 10–50 U/l (Männer). Eine Erhöhung kann allerdings auch durch Medikamente (Paracetamol und eine Reihe anderer Wirkstoffe) ausgelöst werden.

Eine hohe Konzentration von Leberenzymen im Plasma kann eine Schädigung der Leberzellen anzeigen. Sie erlaubt allerdings keine Rückschlüsse auf die Ursachen (Giftstoffe, Viren, Entzündungsprozesse, Verfettung oder Tumoren). In manchen Fällen bleiben die Laborwerte trotz bestehender Erkrankung zunächst unauffällig. Daher ermöglichen die Leberwerte für sich genommen keine präzise Diagnostik. Auch stellen auffällige Werte kein frühes Warnzeichen für einen Leberschaden dar. Erhöhte GPT ist vor allem in Verbindung mit einer ebenfalls gestiegenen Gamma-GT aufschlussreich: Sind beide Parameter auffällig, sollten Folgeuntersuchungen eingeleitet werden, um eine zugrundeliegende Erkrankung abzuklären.

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Leberwerte: GOT

Isoliert betrachtet, ist das Enzym Glutamat-Oxalacetat-Transaminase (GOT) ein eher unspezifischer Marker. Größere Mengen sind nicht nur in der Leber, sondern auch in Herzmuskel und Skelettmuskel, im Gehirn oder in der Bauchspeicheldrüse vorhanden. Eine Erhöhung kann somit auch auf eine Erkrankung des Herzens oder auf Schäden am Skelettmuskel hindeuten. Nach einem Herzinfarkt etwa steigt die GOT kurzfristig an. Die GOT wird im Rahmen von Blutuntersuchungen routinemäßig überprüft. Die Referenzwerte liegen bei 10–35 U/l (Frauen) bzw. 10–50 U/l (Männer). Interessant ist der Wert in Verbindung mit der GPT. Das Verhältnis der beiden Werte (GOT/GPT) wird De-Ritis-Quotient genannt und gibt Hinweise auf die Schwere eines möglichen Leberschadens. Dabei spricht ein großer De-Ritis-Quotient (> 1) für  schwerwiegende Erkrankungen des Organs wie Zirrhose oder Hepatitis. Generell werden die Leberwerte erst in der Zusammenschau bedeutungsvoll: Eine Lebererkrankung liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit vor, wenn die Gamma-GT, die GPT und die GOT gemeinsam erhöht sind.

Wenn die Leberwerte zu hoch sind

Leberwerte: AP und Bilirubin

Alkalische Phosphatase oder AP kommt hauptsächlich in den Knochen sowie in Leber und Galle vor. Auch dieses Enzym ist an unterschiedlichen Stoffwechselvorgängen beteiligt. Die Normalwerte liegen für Erwachsene bei 30–120 U/l. Bei Kindern und Jugendlichen sind wegen des Knochenwachstums höhere Werte zu finden. Wenn Symptome einer Lebererkrankung vorliegen, wird die AP zusätzlich zu anderen Leberwerten bestimmt. Auch der Gallenfarbstoff Bilirubin kann zur Diagnostik von Leber- und Gallenerkrankungen herangezogen werden, insbesondere dann, wenn eine auftretende Gelbfärbung der Haut („Gelbsucht“) abgeklärt werden soll. Anders als bei den Stoffwechselenzymen wird der Wert als absolute Menge angegeben: Die Normalwerte liegen bei unter 1,1 mg/dl Gesamtbilirubin im Serum und unter 0,25 mg/dl für das direkte (d.h. wasserlösliche) Bilirubin. Das indirekte (wasserunlösliche) Bilirubin ergibt sich aus der Differenz. Die Anteile geben erste Hinweise auf mögliche Ursachen einer Erhöhung. Bei Leberschäden steigen oft die Werte für direktes und indirektes Bilirubin gleichzeitig an.

Leberwerte senken

Fehlernährung und damit einhergehende Erkrankungen sind – noch vor Alkohol – die Hauptursache für Lebererkrankungen. Neun von zehn stark Übergewichtigen haben eine Fettleber, ebenso wie etwa 70 Prozent der Typ-2-Diabetiker. Wenn die Fettzufuhr so hoch ist, dass der Abbau nicht mehr nachkommt, dann verfettet das Organ buchstäblich. Doch auch eine bereits geschädigte Leber kann sich regenerieren. In frühen Stadien sind Leberschäden reversibel. Eine regelrechte Leber-Diät gibt es zwar nicht, doch die Faustregel lautet: Fettzufuhr beschränken und Kohlenhydraten aus Vollkornprodukten den Vorzug geben vor Weißmehl- und zuckerhaltigen Produkten. Obst und Gemüse, fettarme Fleisch- oder Fischsorten und ballaststoffreiche Kost tragen zur Regeneration der Leber bei. Jeder fettarme und alkoholfreie Tag ist eine Erholung für das strapazierte Organ. Die zweite Säule eines leberfreundlichen Lebensstils ist regelmäßige Bewegung. Körperliche Aktivität fördert den Abbau von in der Leber gespeichertem Fett und Glukose.

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Leberwerte und Alkohol

Leberschäden werden landläufig mit Alkohol in Verbindung gebracht. Unterschiedlichen Schätzungen zufolge gilt Alkoholmissbrauch in 30 bis 40 Prozent der Todesfälle aufgrund von Lebererkrankungen als Ursache. Das ist weniger als die Hälfte. Nicht jeder Leberkranke hat folglich ein Alkoholproblem – auch Nichttrinker können betroffen sein. Dennoch ist Alkohol in höheren Dosen und über einen längeren Zeitraum konsumiert hochriskant. Bei regelmäßigem Konsum verändern sich die Abbauprozesse im Körper (Alkoholmetabolismus). Um größere Mengen des Zellgifts verstoffwecheln zu können, wird das sogenannte Mikrosomale Ethanol-oxidierende System (MEOS) aktiviert. Das ist eine Art Notstromaggregat, das Alkoholvergiftungen verhindert. Dieses System verbraucht mehr Sauerstoff und setzt zellschädigende und lebertoxische Substanzen frei. Über die Grenzen eines „unbedenklichen“, der Leber zumutbaren Konsums wird kontrovers diskutiert. Als Richtwerte gelten 40 Gramm Alkohol täglich für Männer und 20 Gramm für Frauen.

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