Gehirnjogging – Hintergründe und Übungen

Wenn Werner Schledt Besorgungen macht, braucht er keinen Einkaufszettel. Seit mehreren Jahren praktiziert der 77-Jährige Gehirnjogging oder „Gedächtnistraining“, wie man es früher nannte …

Einkaufslisten speichert Werner Schledt nicht auf Papier, sondern im Kopf

„Das funktioniert so“, erklärt er: „Bevor ich einkaufen gehe, lege ich mir die Besorgungen gedanklich auf meinen rechten Schuh: Brötchen, Blumen, Käse und vielleicht auch noch den Kontoauszug. Sobald ich dann ein klares Bild im Kopf habe, gehe ich los.“ Der Rentner ist geistig fit geblieben. Auch Freunde und Verwandte wissen: Termine muss sich der Rentner nicht aufschreiben. Er kommt trotzdem immer pünktlich.

Visualisierung hilft beim Erinnern

Was ist Gehirnjogging überhaupt? Kann der Nutzen wissenschaftlich belegt werden? Peter Kürsteiner arbeitet seit fast 25 Jahren als Seminarleiter für mentale Fitness und betreibt ein Denksportportal im Netz. „Eine der wichtigsten Techniken, die ich anwende und vermittle, ist die Mnemotechnik“, erklärt Kürsteiner. „Hierbei werden im Kopf bildhafte Brücken gebaut. Durch die Visualisierung erinnern wir uns leichter und trainieren unser Gehirn.“
Dem Präsidenten der internationalen Gesellschaft für Gehirntraining, Siegfried Lehrl, fällt eine exakte Definition des Gehirnjoggings schwer. „Der Begriff ist wenig fassbar. Ich spreche lieber von Brain-Tuning, das ist noch nicht verwässert“, so der Neuropsychologe. Nach seiner Ansicht tut man ohnehin bei jeder Aktivität etwas fürs Hirn. Auch beim Fernsehen! Hier ist jedoch die Art des Fernsehens wichtig: Während beim Schauen von Telenovelas oder flachen Spielfilmen hauptsächlich der Hinterhauptlappen angesprochen wird, der lediglich visuelle Impulse verarbeitet, aktivieren politische Dokumentationen, sofern man sich auf sie einlässt, das Denkzentrum im Stirnhirn. Dennoch ist auch das für die geistige Fitness nicht so effektiv wie einfache Brainjogging-Übungen: zum Beispiel das simple Einkreisen von Wörtern in Zeitungstexten. Man sucht alle, die auf die Silbe „eit“ enden, und umkringelt diese.

Was kann erreicht werden?

„Mit einem engagierten Trainer lässt sich die Kapazität des Arbeitsspeichers im Hirn innerhalb von acht Wochen um 50 Prozent erweitern. Dies gilt auch für die Altersklasse der 50–85-Jährigen“ so Siegfried Lehrl. Durch das Hirnjogging wird vor allem das Frontalhirn trainiert – „was dazu führt, dass die grauen Zellen dicker und funktionsfähiger werden“. Eine Zunahme an Zellen geschehe aber allenfalls im Hippocampus, jenem Gehirnareal, das dafür zuständig ist, dass Inhalte für einen längeren Zeitraum abgespeichert werden. Insgesamt wird die Produktion von Hirnbotenstoffen intensiviert. „Der Dopaminspiegel steigt, und das heißt, dass ich mehr tun kann und will“, sagt Lehrl. Diese Aktivitätszunahme hat auch Kürsteiner bei seinen älteren Klienten beobachtet.

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Wichtige Faktoren um gesund zu sein und zu bleiben, sind eine gesunde Ernährung, viel Bewegung und eine gute Vorsorge. Die DKV bietet ihren vollversicherten Kunden mit verschiedenen Aktivprogrammen ein umfangreiches Unterstützungsangebot hierzu.

Trainiertes Gehirn = Steigerung der Lebensfreude

Für Kürsteiner und Lehrl sind vor allem im Alltag die Effekte des Gehirnjoggings sehr positiv. „Die regelmäßige Beanspruchung des Gehirns durch bestimmte Übungen steigert das Selbstwertgefühl und die Lust an der Kommunikation“ erzählt Lehrl. Kürsteiner pflichtet dem bei: „Meine Klienten gewinnen durch das Training eine neue Beziehung zu ihrem Denkapparat, die dazu führt, dass sie selbstsicherer werden. Letzten Endes ist die Einstellung zum eigenen Erinnerungsvermögen mindestens genauso wichtig, wie die tatsächlichen Prozesse im Hirn.“ Und diese neu gewonnene Einstellung führt letzten Endes dazu, dass die Klienten, die sich aufs Brainjogging einlassen, sich vital und wohl fühlen.

Kritische Stimmen

Die Wissenschaftsautorin und Psychologin Barbara Knab relativiert diese positiven Ausblicke. Sie verweist darauf, dass bisher keine Meta-Analyse allgemeine Transfereffekte von Gehirnjogging belege: „Natürlich ist Hirnjogging besser als Nichtstun oder Fernsehen. Dennoch: Wer regelmäßig Sudoku spielt, lernt dabei Sudoko. Fertig. Die Lernfähigkeit als solche trainiert man damit nicht.“ Viel mehr helfe es, wenn man sich geistig mit Dingen beschäftige, die einen wirklich interessieren. Auch im Alter. Neue Informationen beschaffen, darüber nachdenken und – ganz wichtig – mit anderen darüber reden, „all das hält Gehirn und Gedächtnis fit, weil man dann das Neue geistig besser verarbeitet.“ Allgemein sei es nützlich, Dinge zu tun, die geistige Flexibilität erfordern. Dazu gehöre etwa, regelmäßig zwei Sprachen zu sprechen oder Musik zu machen, etwa im Chor singen. Richtig unerwartet: „Körperliche Bewegung ist für das Gedächtnis im Alter viel wichtiger als Hirnjogging.“

Alle drei Experten sind jedoch von einem Fakt überzeugt: Bewegung hält den Geist fit – und sei dies nur ein 20-minütiger Spaziergang pro Tag. Ebenso unerlässlich sind erfüllende Aktivitäten und ein Fokus auf motivierende Ziele. Rentner Werner Schledt tut beides: Er hat noch mehrere Ehrenämter, steht aktiv im Leben und wendet Techniken des Gedächtnistrainings an. Das Diktiergerät, sein ehemals ständiger Begleiter, liegt mittlerweile in der Schublade.

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