Großes Blutbild – Werte verstehen

Wenn das kleine Blutbild Fragen oder Vermutungen aufwirft, wird meist ein großes Blutbild gemacht, um spezielle Werte zu ermitteln.

Der kleine Bluttest geht schnell, ist unkompliziert und gibt erste Hinweise auf Erkrankungen wie Infektionen, Entzündungen oder auch Blutkrebs. Doch was, wenn der Arzt tatsächlich Normabweichungen feststellt? Dann werden die Leukozyten nochmals genauer unter die Lupe genommen. Diese weißen Blutkörperchen sind im Vergleich zu den roten Verwandten zwar nicht sonderlich zahlreich – von den roten befinden sich 4 bis 6 Millionen in einem Mikroliter Blut, von den weißen nur 6.000 bis 8.000 –, für den menschlichen Körper haben sie aber eine ebenso hohe Bedeutung.

Einige Werte des großen Blutbildes und was sie aussagen:

Neutrophile

Eine der drei Unterarten der Granulozyten und die häufigsten weißen Blutkörperchen. Die neutrophilen Granulozyten können als kleine Fresszellen Krankheitserreger wie Bakterien abtöten und Zelltrümmer in sich aufnehmen. Die jungen Neutrophile weisen einen stabförmigen Kern auf und werden deshalb als Stabkernige bezeichnet. Ausgereifte Neutrophile nennt man Segmentkernige.

Norm-/Referenzwerte
1.800–7.000 pro µl Blut (µl = Mikroliter (10-6 l))

Anteil an der Gesamtzahl weißer Blutkörperchen
Stabkernige Neutrophile: 2–8 %
Segmentkernige Neutrophile: 46–66 %

Mögliche Erklärungen für einen erhöhten Neutrophile-Wert
• bakterielle Infekte
• Medikamente wie Kortison
• Krebserkrankungen
• entzündliche Erkrankungen

Mögliche Erklärungen für einen
zu niedrigen Neutrophile-Wert:
• Knochenmarksschädigungen
• Virusinfektionen
• Medikamente wie Antibiotika
• Folge einer Chemotherapie

Eosinophile

Eine der drei Unterarten der Granulozyten. Die eosinophilen Granulozyten spielen eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Parasiten und Würmern und sind darüber hinaus an allergischen Abwehrreaktionen beteiligt.

Norm-/Referenzwerte
80–250 pro µl Blut (µl = Mikroliter (10-6 l))

Anteil an der Gesamtzahl weißer Blutkörperchen
1–5 %

Mögliche Erklärungen für einen erhöhten Eosinophile-Wert
• allergische Reaktionen
• Parasitenbefall
• Krebserkrankungen
• Hauterkrankungen

Mögliche Erklärungen für einen zu niedrigen Eosinophile-Wert
• akute Infektionen
• Stress
• Cushing-Syndrom (Überschuss an Kortisol)

Basophile

Eine der drei Unterarten der Granulozyten. Sie sind
unter anderem an allergischen Sofortreaktionen und an
der Blutgerinnung beteiligt.

Norm-/Referenzwerte
10–70 pro µl Blut (µl = Mikroliter (10-6 l))

Anteil an der Gesamtzahl weißer Blutkörperchen
0–1 %

Mögliche Erklärung für einen erhöhten Basophile-Wert
• chronisch-myeloische Leukämie

Mögliche Erklärung für einen zu niedrigen Basophile-Wert
• Erkrankungen, die zu einem Versagen des Knochenmarks führen

Blutproben für großes Blutbild (Differenzialblutbild)

Lymphozyten

Neben Granulozyten und Monozyten eine der drei Arten von weißen Blutkörperchen. Sie haben bei der spezifischen Abwehr des Immunsystems eine große Bedeutung. Hauptaufgabe ist die Erkennung und Entfernung von Fremdstoffen oder auch von entarteten oder virusbefallenen Körperzellen. Werden in drei weitere Gruppen unterteilt: B-Zellen, T-Zellen und NK-Zellen (natürliche Killerzellen).

Norm-/Referenzwerte
Erwachsene: 1.000–4.800 pro µl Blut
(µl = Mikroliter (10-6 l))
Kinder: bis 10.500 pro µl Blut
(µl = Mikroliter (10-6 l))

Anteil an der Gesamtzahl weißer Blutkörperchen
15–50 %

Mögliche Erklärungen für einen erhöhten Lymphozyten-Wert
• Virusinfektionen
• Blutkrebserkrankungen

Mögliche Erklärungen für einen zu niedrigen Lymphozyten-Wert
• Tuberkulose
• Cushing-Syndrom (Überschuss an Kortisol)
• Lymphknotenkrebs

Monozyten

Neben Granulozyten und Lymphozyten eine der drei Arten von weißen Blutkörperchen. Kurzlebige Zellen, die nach drei Tagen in Gewebe eindringen und dort zu Makrophagen, den sogenannten Fresszellen werden, weil sie körperfremde Substanzen aufnehmen und zersetzen.

Norm-/Referenzwerte
200–800 pro µl Blut (µl = Mikroliter (10-6 l))

Anteil an der Gesamtzahl weißer Blutkörperchen
2–10 %

Mögliche Erklärungen für einen erhöhten Monozyten-Wert
• Bakterieninfektionen
• verschiedene Krebsarten (Leukämie, Hodgkin-Lymphom)

Mögliche Erklärung für einen zu niedrigen Monozyten-Wert
• Erkrankungen, die zu einem Versagen des Knochenmarks führen

Variable Gesundheitspolizei

Dass die weißen Blutkörperchen eine wichtige Rolle im Immunsystem und bei der Abwehr von Fremdkörpern spielen, dürfte vielen Menschen bekannt sein. Was aber nur den wenigsten bewusst ist: DIE weißen Blutkörperchen gibt es gar nicht. Vielmehr unterscheidet man zwischen drei verschiedenen Typen: den Granulozyten, den Lymphozyten und den Monozyten. Innerhalb der Granulozyten wird dann noch einmal zwischen drei Unterarten differenziert (neutrophil, eosinophil, basophil). Jeder dieser Typen übernimmt bei Krankheitsbekämpfungen unterschiedliche Aufgaben.

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Eine Frage der Verteilung

Die verschiedenen Typen werden im sogenannten Differenzialblutbild untersucht, das zusammen mit dem kleinen Blutbild das große Blutbild ergibt. Um die einzelnen Typen unterscheiden zu können, werden die Blutkörperchen in einem vollautomatischen Analyzer mit einem speziellen Farbstoff angefärbt und gezählt.
Beispielsweise kann eine erhöhte Zahl von eosinophilen Granulozyten auf Allergien hinweisen. Umgekehrt könnte ein niedriger Wert bei den Lymphozyten ein Anzeichen für Tuberkulose sein. Wie schon beim kleinen Blutbild haben die Ergebnisse des Differenzialblutbildes aber keine absolute Aussagekraft – die Werte können je nach Verfahren, Tagesform des Patienten oder Labor variieren. Wichtig für den behandelnden Arzt ist es deshalb, sie im Zusammenhang mit anderen Werten zu beurteilen.

Download: Laborwerte verstehen

Was sagen die Laborwerte des großen Blutbildes aus? Welche möglichen Erklärungen gibt es für einen erhöhten oder zu niedrigen Mittelwert? Downloaden Sie jetzt dafür unsere Checkliste:

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