Pflegeroboter – Chancen und Grenzen des Einsatzes

Wir werden immer älter und brauchen immer mehr Pflegekräfte. Man spricht bereits von einem Pflegenotstand. Laut Prognosen aus dem Jahr 2022 werden bis 2035 rund 307.000 ausgebildete Pflegekräfte fehlen. Können Pflegeroboter diese Lücke schließen?

Wissenschaftler glauben, Abhilfe schaffen zu können. Sie arbeiten an der Mechanisierung der Seniorenbetreuung durch Pflegeroboter. Solche Maschinen können Menschen nicht nur versorgen, sondern sogar ihre Gefühle deuten.

Arten von Pflegerobotern

Aktuell gibt es etwa ein Dutzend Pflegeroboter-Modelle auf dem Markt. Sie lassen sich grob in drei Grundkategorien unterteilen: Serviceroboter, Hebe-Roboter und soziale Roboter.

Serviceroboter können alltägliche Aufgaben ausführen und Gegenstände transportieren. Zu ihnen zählen etwa die Modelle Casero 4, Terapio oder Care-o-bot.

Neben Servicerobotern können auch Hebe-Roboter zur Entlastung des Pflegepersonals beitragen. Hierzu zählen die Modelle Robear und Evelon. Sie können körperlich schwere Arbeiten übernehmen und beispielsweise Patienten heben.

Soziale Roboter sind für solche Arbeiten ungeeignet, decken dafür aber einen weiteren wichtigen Bereich des Pflegespektrums ab: Sie können die Regeln der interaktiven Kommunikation befolgen und sind in der Lage, Verhaltensmuster zu erlernen. Auch Stimmen erkennen sie. Zwei Beispiele dafür sind die Roboter Pepper und Paro.

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Vorreiter bei Pflegerobotern ist Japan

Roboter helfen Pflegebedürftigen beim Waschen, Essen und Anziehen. Von Science Fiction keine Spur – denn in japanischen Altenheimen ist das schon jetzt Realität. Nirgendwo ist die teilautomatisierte Pflege so weit entwickelt wie im technikbegeisterten Japan. Hier geht der Pflegeauftrag eines Roboters sogar noch weit über physische Hilfestellungen hinaus. Der humanoide Roboter Pepper analysiert zum Beispiel Mimik und Gestik seines Gegenübers und ist so programmiert, dass er angemessen darauf reagiert. Sogar einfache Gespräche kann man mit ihm führen. Optisch weist er Merkmale eines Kindes auf. Das mag unwichtig erscheinen, doch das Gegenteil ist der Fall. Schließlich soll er auf Menschen so harmlos wie möglich wirken.

Pflegeroboter Pepper und Paro

Pflegeroboter sollen Ärzte und Pfleger entlasten. Bei schweren Hebearbeiten oder dem Speichern medizinischer Daten ist das auch kaum mehr ein Problem. Anspruchsvoller sind Aufgaben, bei denen der Roboter seine Anweisungen nicht vom Pflegepersonal bekommt, sondern auf Patienten reagieren soll. Roboter Pepper etwa kann Senioren im Altenheim zur Sitzgymnastik animieren, indem er die Rolle eines menschlichen Übungsleiters übernimmt. Klingt ambitioniert?

Noch ehrgeiziger sind Projekte, bei denen die Maschine auf emotionale Bedürfnisse eingeht. Roboter Paro, dessen Aussehen einem Robbenbaby ähnelt, wird therapeutisch genutzt. Er reagiert, wenn sich Personen in seiner Nähe bewegen und sich ihm nähern. Sobald man ihn streichelt, fiept und schnurrt er, bewegt den Kopf und schaut treuherzig. Mit anderen Worten: ein mechanischer Welpe. Und das Konzept funktioniert! Aus der tiergestützten Therapie entwickelt, lässt sich Paros beruhigende Wirkung auf Menschen unbestreitbar nachweisen. Er wird vor allem in der Betreuung von Menschen mit Demenz eingesetzt. Die Patienten sollen dadurch gesprächiger und gelöster werden.

Hersteller stehen noch vor vielen Herausforderungen

Gymnastik mit Pepper, Kuscheln mit Paro – so könnte der Alltag im Pflegeheim künftig aussehen. Noch ist vieles davon Zukunftsmusik. Denn noch scheitern die Maschinen oft an banalen Anforderungen: Einige Prototypen humanoider Roboter wurden nicht weiterentwickelt, weil sie sich auch nach mehreren Testläufen nicht flüssig genug bewegen konnten, um Pfleger und Patienten im Heim zu begleiten. In Europa kommen Pflegeroboter daher bislang nur im Rahmen von Forschungsprojekten zum Einsatz. Doch die Entwickler sind zuversichtlich, dass auch hierzulande in nicht allzu ferner Zukunft interaktionsfähige Maschinen zur Unterstützung menschlicher Pfleger genutzt werden können.

Pflegerobotor Chancen und Gefahren

Ethische Betrachtung von Pflegerobotern: Hilfe oder Bedrohung?

Können Roboter eine wertvolle Unterstützung in der Pflege sein oder stellen sie eine Bedrohung dar? Diese Frage betrifft uns alle – ob im gesellschaftlichen Kontext, im privaten Umfeld oder auch persönlich.

Eine Umfrage des deutschen Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid offenbart ein klares Stimmungsbild: Nur ein Viertel der Deutschen kann sich vorstellen, von einem Pflegeroboter versorgt zu werden. 75 % hingegen sind dem eher abgeneigt.

Verschiedene Interessensgruppen – das Personal, die Einrichtungsleitungen und Patienten – stehen der Technologie unterschiedlich gegenüber. Es gibt bestimmte Bedenken, wenn es um Robotik in der Pflege geht.

Pflegepersonal

Pfleger befürchten, dass Roboter sie verdrängen werden und sie so ihren Job verlieren. Obwohl das Risiko wegen der begrenzten Fähigkeiten der Roboter aktuell noch gering ist, bleibt die potenzielle Bedrohung für das Personal real.

Ein weiteres Argument: Mit dem Geld, das in die Technologie fließt, könnte man auch eine bessere Bezahlung des bestehenden Personals gewährleisten – oder neue Pflegekräfte einstellen.

Pflegeeinrichtungen

Der Nutzen für Pflegeeinrichtungen hält sich aufgrund der eingeschränkten und sehr spezialisierten Fähigkeiten bereits existierender Roboter in Grenzen. Die Technik ist dafür schlichtweg zu teuer. Der Humanoide Pepper kostet knapp 1.700 Euro, die Roboter-Robbe Paro sogar 5.000 Euro. Und mit der reinen Anschaffung ist es nicht getan: Auch die Wartung und Reparatur der Pflegeroboter kosten Geld.

Aufgrund der akuten Personalengpässe in der Pflege stehen Einrichtungsleitungen der Technologie grundsätzlich aber offen gegenüber. Die Entlastung des Personals ist bereits jetzt ein wichtiger Faktor und wird in Zukunft eine noch größere Rolle spielen. Um sich allerdings als echte Hilfe im Pflegebereich zu etablieren, müsste ein Modell mehrere Fähigkeiten vereinen. Dazu ist die Technologie noch nicht in der Lage.

Pflegebedürftige

Patienten haben die wohl meisten Berührungspunkte mit Pflegerobotern. Zwar ist eine Verallgemeinerung hier unangebracht. Die Erfahrung zeigt aber, dass Patienten bei freier Wahl Pflegerobotern gegenüber nicht grundsätzlich abgeneigt sind. Vielmehr richtet sich die Ablehnung gegen einzelne Modelle und nicht gegen die Technologie an sich.

Einschätzung des deutschen Ethikrates

Auch der deutsche Ethikrat hat sich mit der Frage beschäftigt, inwiefern Robotik die Lebensqualität von Pflegebedürftigen verbessern kann. Grundsätzlich erkennt der Ethikrat das große Potenzial der Technologie an, sofern sie verantwortungsvoll eingesetzt wird. Klar ist aber: Roboter sollen in der Pflege keinesfalls das Zwischenmenschliche ersetzen, sondern ergänzen und entlasten – und das stets zum Wohl der Patienten. Wichtig ist vor allem, dass technische Systeme weder ohne Einverständnis noch zur reinen Effizienzsteigerung eingesetzt werden. Pflegeroboter sind laut Experten keinesfalls in der Lage, den Personalmangel oder den Pflegenotstand zu beseitigen.

Kritik an Pflegerobotern

Pflegeroboter sind und bleiben Maschinen. Ein Hauptkritikpunkt besteht also in ihren Grundvoraussetzungen: der Technik. Auch wenn Entwickler immer größere Fortschritte machen und sich Pflegeroboter weiterentwickeln, mangelt es künstlichen Intelligenzen an der Feinmotorik und wichtigen menschlichen Eigenschaften wie Empathie. Ob Roboter jemals an diesen Punkt kommen und ob das überhaupt von der Gesellschaft erwünscht ist, bleibt fraglich.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die potenzielle Vereinsamung. Vor allem ältere und/oder kranke Menschen sind davon betroffen. Geräte, die auf die Interaktion mit Senioren ausgelegt sind, könnten den Kontakt zu „echten” Menschen noch weiter reduzieren. Vor allem Demenzkranke brauchen jedoch menschliche Nähe und Zuwendung.

Pflegeroboter: rechtliche Situation

Die rechtliche Lage rund um Pflegeroboter ist eine Grauzone. Die versicherungstechnischen Zusammenhänge sind weitgehend ungeklärt. Pflegeroboter werden nicht im Pflegehilfsmittel- und Hilfsmittelverzeichnis aufgeführt. Nur wenige Modelle werden durch die Krankenkasse unterstützt. Die Finanzierung geeigneter Robotermodelle ist daher mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden.

Ein weiteres großes Hindernis ist der Datenschutz. Denn damit sich die Modelle – vor allem soziale Roboter – weiterentwickeln, müssen sie Daten sammeln. Unter Umständen dringen Pflegeroboter tief in die Intim- oder Privatsphäre von Patienten ein. Hier stellen sich die Fragen: Welche personenbezogenen Daten darf die Maschine sammeln? In welchen Fällen braucht es ein Einverständnis? Wie kann dieses Einverständnis gerade bei schwer kranken Patienten eingeholt werden? Noch gibt es darauf keine klaren Antworten.

Auch bezüglich der Haftung gibt es viele Unsicherheiten. Für Produktions- und Programmierfehler sind die Hersteller oder Entwickler verantwortlich. Wer haftet allerdings bei erlerntem Fehlverhalten? Und wessen Schuld ist es, wenn ein Roboter falsch bedient oder ein Patient durch die Maschine verletzt wurde?

Die Antworten darauf sind entscheidend für die Zukunft der gesamten Branche. Viele Entwickler halten sich wegen der Unsicherheiten und Hindernisse zurück. Denn die Risiken sind zum jetzigen Zeitpunkt kaum kalkulierbar.

Fazit: kein Ersatz für menschliches Pflegepersonal

Pflegeroboter haben grundsätzlich großes Potenzial. Sie können Pflegekräfte entlasten und unterstützen. Ein Ersatz für das Zwischenmenschliche, ein elementarer Bestandteil der Pflege, sind sie aber keineswegs.

Um einen echten Mehrwert im Pflegebereich zu bieten, müssen Roboter mehr Fähigkeiten mitbringen und kosteneffizienter werden. Aktuell ist das Einsatzgebiet der Maschinen schlicht zu beschränkt. Das Motto lautet also: immer bessere Technik für einen geringeren Preis.

Wie sich die Branche zukünftig entwickelt, hängt maßgeblich von einer klaren Beantwortung der Rechts- und Haftungsfragen ab. Denn viele Entwickler halten ihre Konzepte aufgrund der Unsicherheiten, Risiken und Hindernisse noch zurück.

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