Ruhe-EKG, Langzeit-EKG, Belastungs-EKG – Erklärung

Bei fast jedem Patienten wird früher oder später ein Elektrokardiogramm, kurz EKG genannt, durchgeführt. Es gibt Aufschluss über Erkrankungen des Herzens wie Rhythmusstörungen, Entzündungen, Infarkt. Doch wissen Sie, was die EKG-Kurven bei Ruhe-EKG, Langzeit-EKG und Belastungs-EKG aussagen?

Was ist ein EKG?

Die Elektrokardiographie ist in der Regel das erste diagnostische Verfahren bei Verdacht auf eine Herzerkrankung (kardiologische Basisuntersuchung). Vom Anlegen der Elektroden bis zur Fertigstellung der Aufzeichnung dauert sie nicht länger als fünf Minuten. Die Kurve liefert allerdings oft nur Hinweise. Zeigt sie Auffälligkeiten, so folgen weitere Untersuchungen. Das EKG wird meist im Liegen ambulant durchgeführt, bei Notfällen auch im Rettungswagen (häufig zur Akut-Diagnostik bei Herzinfarkt).

Das EKG ist eine einfache, schnelle und schmerzfreie Methode, das Herz zu untersuchen. Sie hat keine Risiken oder Nebenwirkungen. Ein EKG zeigt die elektrische Aktivität des Herzens, dargestellt auf einer Zeitachse. Das Herz ist ein Muskel, der täglich 8000 Liter Blut durch den Kreislauf pumpt. Er wird jedoch nicht wie andere Muskeln durch Nervensignale erregt. Deswegen verfügt er über einen eigenen Schrittmacher, den Sinusknoten. Hier entstehen elektrische Impulse, die sich über das Erregungsleitungssystem ausbreiten und letztlich das koordinierte Zusammenziehen des gesamten Herzmuskels bewirken (Kontraktion). Der Herzzyklus mit den Arbeitsphasen: Füllung – Anspannung – Austreibung wiederholt sich 60 bis 100 Mal pro Minute. So gelangt ständig mit Sauerstoff angereichertes Blut in den Körperkreislauf.

Mediziner unterscheiden Systole (Auswurfphase) und Diastole (Erschlaffung). Der Druck, der dabei in den Gefäßen herrscht, entspricht bei der Blutdruckmessung dem ersten, oberen Wert (systolischer Blutdruck) und dem zweiten, unteren Wert (diastolischer Blutdruck).

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Wann wird ein EKG durchgeführt?

Die im EKG aufgezeichneten Schwankungen entsprechen den Phasen des Herzzyklus. Charakteristische Kurvenverläufe erlauben Rückschlüsse auf zahlreiche Erkrankungen, zum Beispiel Herzinfarkt und Rhythmusstörungen.

Die Schwankungen der elektrischen Aktivität im Verlauf eines Herzzyklus sind noch an der Körperoberfläche messbar. Dies ermöglicht eine Diagnostik mittels EKG-Elektroden. Sie werden an bestimmten Körperstellen befestigt. Oft wird ein Gel verwendet, das den Abstand zwischen Haut und Elektrode überbrückt.

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Das Ruhe-EKG

 

Wann wird ein Ruhe-EKG durchgeführt?

Indikationen (Anwendungsgebiete) für das klassische EKG sind bekannte oder vermutete Erkrankungen des kardiovaskulären Systems. Dazu gehören:

Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern, Tachykardie (Herzrasen) oder Extrasystolie („Stolpern“, d. h. Herzschläge, die zusätzlich zu einem normalen Zyklus auftreten)

  • Herzinfarkt (Absterben von Gewebe wegen fehlender Sauerstoffversorgung)
  • Koronare Herzkrankheit (Minderdurchblutung der Herzkranzgefäße)
  • Entzündung des Herzmuskels oder des Herzbeutels
  • Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz)
  • Störungen des Elektrolythaushalts (insbesondere Kalium)

Ruhe-EKG – Ablauf

Für das klassische Ruhe-EKG (Standard-Oberflächen-EKG bzw. 12-Kanal-EKG) werden zehn Elektroden verwendet. Vier Elektroden sind an jeweils einem Arm und Bein angebracht (Extremitäten-Ableitungen), die übrigen auf dem Brustkorb.

Ruhe-EKG – Werte verstehen

Das Ergebnis beim Ruhe-EKG ist eine Kurve, abgebildet auf Millimeterpapier. Die Spannungsausschläge auf der Kurve sind mit Buchstaben gekennzeichnet. Höhe, Tiefe, Dauer sowie Steilheit dieser Ausschläge können variieren und auf krankhafte Veränderungen hindeuten.

Die P-Welle ist die erste Welle im Herzzyklus. Sie entspricht der Ausbreitung des elektrischen Impulses, der im Sinusknoten entsteht, in den Vorhöfen.

Die PQ-Zeit bezeichnet die Spanne zwischen dem Beginn der Erregung in den Vorhöfen und in den Kammern.

Der QRS-Komplex entspricht der Erregungsausbreitung in den Herzkammern.

Die ST-Strecke: vollständige Erregung der Kammern.

Die T-Welle schließlich entspricht dem Zeitraum der Erregungsrückbildung in den Kammern.

Belastungs-EKG

Das Belastungs-EKG

 

Wann wird ein Belastungs-EKG durchgeführt?

In manchen Fällen zeigen sich krankhafte Veränderungen nicht im Ruhezustand, sondern erst unter Belastung. Das gilt vor allem für die koronare Herzkrankheit, eine der häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Todesursachen. Bei dieser Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße kann als akute Komplikation ein Infarkt auftreten. Mangeldurchblutung sollte folglich unbedingt diagnostiziert werden. Da das Herz bei Anstrengung mehr Sauerstoff benötigt, sind Durchblutungsstörungen am besten unter Belastung sichtbar.

Weitere Gründe (Indikationen) für ein Belastungs-EKG können sein:

  • Herzrhythmusstörungen, die nur bei körperlicher Anstrengung auftreten
  • Kontrolle der allgemeinen Leistungsfähigkeit, auch nach einer Herz-OP oder einem Infarkt
  • Bluthochdruck

Im Unterschied zum Ruhe-EKG gibt es für das Belastungs-EKG Kontraindikationen, bei denen die Untersuchung nicht durchgeführt werden darf. Dazu gehören ein weniger als eine Woche zurückliegender Infarkt sowie einige akute Herz- und Lungenerkrankungen. Die Dauer der Untersuchung beträgt mindestens 15 Minuten.

Belastungs-EKG – Ablauf

Die körperliche Anstrengung wird entweder auf einem Laufband oder auf einem Fahrradergometer erzeugt. Dabei wird die Belastung schrittweise gesteigert. Die Belastung, der ein Patient während der Untersuchung ausgesetzt wird, kann am Ergometer angepasst werden. Kriterien sind zum Beispiel Gesundheitszustand, Alter und Geschlecht. Das Spektrum reicht von einfacher Alltagsbelastung (wie etwa beim Treppensteigen) bis zu starker sportlicher Leistung. Nach dem Ende der Anstrengung wird auch der Rückgang der Herzfrequenz aufgezeichnet.

Werte verstehen/Auswertung

Beispiel: ST-Strecken-Senkung bei Gefäßverengung
Die Verengung der Herzkranzgefäße, einer der häufigsten Erkrankungen des Herzens, ist im Belastungs-EKG an typischen Veränderungen der sogenannten ST-Strecke erkennbar, die die Erregungsausbreitung in den Kammern misst. Sie zeigt normalerweise einen annähernd geraden Verlauf. Ein absteigender (deszendierender) Streckenverlauf kann ein Hinweis auf die koronare Herzkrankheit sein. Häufig tritt allerdings eine leichte Senkung des ST-Abschnitts auch bei Gesunden auf. Weitere diagnostische Verfahren werden daher zur Klärung herangezogen.

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Das Langzeit-EKG

 

Wann wird ein Langzeit-EKG durchgeführt?

Sowohl beim Ruhe-EKG als auch beim Belastungs-EKG wird die Herzaktivität nur über einen kurzen Zeitraum aufgezeichnet. Herzrhythmusstörungen treten jedoch bei vielen Patienten nur episodisch auf und können auf diese Weise nicht erfasst werden. Zur Abklärung dient ein Langzeit-EKG. Dabei wird die Herzaktivität über 24 Stunden oder länger registriert, während der Patient seinem gewöhnlichen Tagesablauf nachgeht.

Langzeit-EKG – Ablauf

Für ein Langzeit-EKG bringt der Arzt zwei bis sechs Elektroden am Brustkorb des Patienten an. Sie sind mit einem kleinen digitalen Aufzeichnungsgerät verbunden, das an einem Band um den Hals getragen wird. Damit sich die mit Klebeband befestigten Elektroden nicht lösen, darf während des Aufzeichnungszeitraums nicht gebadet oder geduscht werden. Dies ist jedoch die einzige Einschränkung. Alle anderen Tätigkeiten sollen wie gewohnt fortgesetzt werden, darunter Sport (falls normalerweise ausgeübt) oder Nachtschlaf. Die Aufzeichnung während des Schlafs zeigt oft Rhythmusstörungen, die vom Patienten selbst nicht bemerkt werden können. Die einzelnen Aktivitäten können mit Zeitangaben schriftlich festgehalten werden. So kann der Arzt sie den gemessenen Werten gegenüberstellen. Zusätzlich kann der Patient dokumentieren, wann er subjektiv das Gefühl hat, dass Beschwerden (etwa Herzrasen oder Aussetzer) auftreten.

Werte verstehen/Auswertung

Beispiel: Gestörter Sinusrhythmus und Vorhofflimmern
Das Herz gliedert sich in vier Hohlräume: rechte und linke Kammer und zwei vorgelagerte Vorhöfe. Beispiel Vorhofflimmern: Wenn die Vorhöfe sich nicht mehr vollständig zusammenziehen, beginnen sie, unkontrolliert zu zucken (flimmern). Dies kann permanent oder auch anfallsartig (episodisch) auftreten. Ein Langzeit-EKG dient dann der Abklärung. Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung und geht mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfall und andere Komplikationen einher. Im EKG zeigt die P-Welle die Erregungsausbreitung in den Vorhöfen. Bei Vorhofflimmern fehlt diese Welle. Viele kleinere Entladungen werden in Form einer Schlangenlinie (Flimmerwellen) sichtbar.

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