Schilddrüsenwerte verstehen

Wozu dient das Thyroxin? Was sagen die Schilddrüsenwerte aus und wie hoch sollten sie sein? Was tun, wenn die Schilddrüsenwerte zu hoch oder zu niedrig sind? Welche Erkrankungen der Schilddrüse können dahinterstecken und wann sollten sie behandelt werden?

Aufgabe und Funktion der Schilddrüse

Eine gesunde Schilddrüse hat die Größe eines Daumens, wiegt zwischen 18 und 25 Gramm und liegt an der Vorderseite des Halses vor der Luftröhre. Sie wandelt Jod und Eiweiß in Hormone um: Botenstoffe, die wichtige Körperfunktionen regulieren. Schilddrüsenhormone werden unter anderem gebraucht bei der Steuerung des Herz-Kreislauf-Systems, des Energiestoffwechsels und der Darmtätigkeit, der Gehirnaktivität und Psyche. Deswegen können Störungen der Schilddrüsenfunktion vielfältige Symptome hervorrufen, die den gesamten Organismus betreffen. Wann und wie viele Schilddrüsenhormone produziert werden, steuert ein übergeordnetes Organ, die Hirnanhangdrüse (Hypophyse). Hierzu schüttet sie einen Botenstoff aus: das schilddrüsenstimulierende Hormon TSH (thyreoideastimulierendes Hormon).

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Wie werden die Schilddrüsenwerte ermittelt?

Hier gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Die Schilddrüsenwerte können entweder im Rahmen einer Laboruntersuchung (im Volksmund auch Blutbild genannt) festgestellt werden. Oder sie können gezielt ermittelt werden, wenn bereits ein Verdacht auf eine Funktionsstörung besteht.

Die wichtigsten Schilddrüsenhormone

L-Thyroxin und Trijodthyronin sind die bekanntesten Schilddrüsenhormone. Abgekürzt werden sie T4 (da diese Verbindung vier Jod-Atome beinhaltet) und T3 (mit drei Jod-Atomen). Biologisch aktiv ist die proteinungebundene (oder freie) Form im Blut. Diese wird als fT3 und fT4 bezeichnet. Das übergeordnete thyreoideastimulierende Hormon TSH regt die Hormonausschüttung der Schilddrüse an. Bei einer Überprüfung der Schilddrüsenwerte werden in der Regel folgende Laborwerte ermittelt: fT3, fT4 sowie das Regelhormon TSH. Der TSH-Wert wird außerdem bestimmt, bevor jodhaltige Therapeutika verabreicht werden (etwa Röntgenkontrastmittel oder Salben für die lokale Wundversorgung).

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Was sagen die Schilddrüsenwerte aus?

Grundsätzlich gilt bei den Schilddrüsenwerten: Hohe TSH-Werte sprechen für eine Schilddrüsenunterfunktion, niedrige Werte deuten auf eine Schilddrüsenüberfunktion. Funktionsstörungen können wiederum das Symptom verschiedener Erkrankungen sein.

Mögliche Gründe für Schilddrüsenwerte außerhalb des Normbereichs

Erhöhte T3- und T4-Werte sind charakteristisch für Schilddrüsenentzündungen bzw. Morbus Basedow, sogenannte „heiße Knoten“ sowie Schilddrüsenvergrößerung (Struma). Doch nicht jede Auffälligkeit muss Anlass zur Beunruhigung geben, zumal bei einem einmaligen Laborbefund. Abweichungen können verschiedene Ursachen haben. Medikamente (Östrogene, Psychopharmaka) können den Spiegel erhöhen. Am Nachmittag ist die Konzentration von TSH oft am geringsten und gegen Mitternacht am höchsten. Die Werte sind außerdem methoden- und laborabhängig. Die Normwerte werden in der Regel mit den Ergebnissen mitgeliefert. Deshalb sollten Verlaufskontrollen möglichst im gleichen Labor erfolgen.

Schilddrüse

Welche Erkrankungen können bei abweichenden Schilddrüsenwerten vorliegen?

Struma (Kropf)

Erkrankungen der Schilddrüse sind in Deutschland weit verbreitet. Am häufigsten kommt die Vergrößerung vor: Eine Struma (landläufig: Kropf) bildet sich meist infolge von Jodmangel. Wird dem Körper zu wenig Jod zugeführt, so kann die Drüse nicht mehr genügend Hormone produzieren und gleicht dies aus, indem sie sich vergrößert. Die Vergrößerung ist oft nicht mit bloßem Auge erkennbar. Eine vergrößerte Schilddrüse kann normal arbeiten oder in ihren Funktionen gestört sein. Wenn sich nur Teilbereiche verändern, spricht man von Knoten. „Heiße“ Knoten nehmen hohe Mengen an Jod auf und bilden daraus ein Übermaß an Hormonen, abgekoppelt vom tatsächlichen Bedarf des Organismus. Daraus resultiert eine Schilddrüsenüberfunktion. „Kalte“ Knoten sind nicht aktiv, werden aber gründlich untersucht, um bösartige Gewebeveränderungen auszuschließen.

Autoimmunkrankheiten

Die zweite große Gruppe der Schilddrüsenerkrankungen sind Autoimmunkrankheiten. Bei der Hashimoto-Thyreoiditis bewirkt eine fehlgeleitete Abwehrreaktion, dass körpereigenes Gewebe angegriffen wird. Dies löst eine chronische Entzündung aus, welche schließlich zu einer Schilddrüsenunterfunktion bzw. dem kompletten Ausfall der Schilddrüsenfunktion führt. Morbus Basedow ist dagegen an einer Schilddrüsenüberfunktion erkennbar. Das Immunsystem bildet Autoantikörper, die an den TSH-Rezeptor andocken und so eine vermehrte Hormonproduktion anregen. Antikörper werden normalerweise zur Bekämpfung von eindringenden Krankheitserregern gebildet, sogenannte Autoantikörper richten sich irrtümlich gegen körpereigenes Gewebe. Im Laborbefund sind typischerweise die T3- und T4-Werte erhöht, der TSH-Wert dagegen zu niedrig.

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Weitere mögliche Ursachen für eine Schilddrüsenunterfunktion oder Schilddrüsenüberfunktion

Schließlich kommen in selteneren Fällen sowohl Unter- als auch Überfunktion der Schilddrüse vor, für die keine der genannten Erkrankungen ursächlich ist. Etwa eines von 4.000 Neugeborenen kommt mit einer angeborenen Schilddrüsenunterfunktion zur Welt. Entzündungen treten vereinzelt auch infolge von Infektionen oder bei Wöchnerinnen (post partum) auf. Heute nehmen fünf Millionen Deutsche täglich L-Thyroxin zur Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion, die Verordnungszahlen steigen. Der Grund: Auch sogenannte subklinische Hypothyreosen (leichte Unterfunktionen) werden häufig behandelt, wenn Betroffene über Symptome wie Müdigkeit oder Gewichtszunahme klagen. Davon raten Fachleute inzwischen ab. Studien konnten keine Verbesserung der Lebensqualität durch die Hormongabe belegen.

Nebenwirkungen von L-Thyroxin

Die Einstellung auf L-Thyroxin ist nicht einfach und kann mehrere Monate in Anspruch nehmen. Eine Fehldosierung verursacht leicht Beschwerden. Bei Vorerkrankungen des Herzens ist besondere Vorsicht geboten. Das Medikament muss morgens eine halbe Stunde vor dem Frühstück mit Wasser (andere Getränke sind ungeeignet) eingenommen werden.

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