Was hilft gegen Zecken?

Steigen die Temperaturen, werden Zecken aktiv. Hier unsere Tipps zum Schutz gegen Zeckenstiche. Denn die Blutsauger können Krankheiten übertragen. Und eine neue, gefährliche Riesenzeckenart ist auf dem Vormarsch. Doch was hilft gegen Zecken?

Zecken-Risikogebiete: aktuelle Entwicklung in Deutschland

Zecken lauern dort, wo es feucht, warm und dunkel ist. Im Unterholz im Wald, im hohen Gras und Gestrüpp am Wegesrand oder am Flussufer. Dort sitzen die Tiere meist in Kniehöhe.

Solange man in der Natur auf Gehwegen bleibt und nicht mit Gräsern, Sträuchern oder Bäumen in Berührung kommt, ist ein Zeckenstich unwahrscheinlicher. Aber auch in Parks und Gärten gibt es Zecken.

Zecken können zwei Infektionskrankheiten übertragen: die Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME. Der trockene, sonnige Sommer 2018 lockte viele Menschen ins Freie. Folge: Die Zahl der FSME-Erkrankungen stieg.

Mit 583 gemeldeten Fällen von Frühsommer-Meningoenzephalitis ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin ein Höchststand erreicht. Denn selbst der bisherige Spitzenwert von 2006 von 546 Fällen wurde so übertroffen.

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Prognosen zum Zecken-Risiko

Forscher der Universität Hohenheim versuchen der Entwicklung auf die Spur zu kommen. Dabei fiel auf, dass sich die Risikogebiete und die Krankheit deutschlandweit von Bayern und Baden-Württemberg nach Norden ausbreiten.

Vermehrt taucht die FSME-Erkrankung auch in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Schleswig-Holstein und Sachsen auf.

In der Forschung kommt ein Computermodell zum Einsatz, das künftige Prognosen zum Zecken-Risiko an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten abgeben soll. An über 100 Standorten werden dafür regelmäßig Zecken gesammelt und untersucht.

Die Ergebnisse werden durch weitere Faktoren wie Klimadaten oder das Nahrungsangebot an den verschiedenen Standorten ergänzt. Die Auswertung soll Aufschluss geben, wie sich die Situation in Deutschland verändert.

Die Frage ist, ob sich aus der Zeckendichte auch ein Krankheitsrisiko ableiten lässt oder wann und wo die FSME-Gefahr im kommenden Jahr besonders hoch sein könnte. Daneben werden die Lebensräume und die Verhaltensweisen der Zecken beobachtet, um wirkungsvolle Bekämpfungsstrategien zu entwickeln.

Zecken als Krankheitsüberträger

Was hilft gegen Zecken? – Tipps

Kleidung gegen Zecken

So schützen Sie sich vor Zeckenstichen: Tragen Sie abseits der befestigten Wege im Wald und auf nicht gemähten Wiesen mit langen Grashalmen geschlossene Schuhe, Socken, lange Hosen, langärmelige Oberteile und eine Kopfbedeckung. Noch besser: die Hosenbeine in die Socken stecken.

Auch Gummistiefel sind ein guter Schutz. Einheimische Zecken klettern nicht höher als 1,50 Meter und klammern sich daher mit Vorliebe an den Hosenbeinen fest.

Kinder sollten eine Kopfbedeckung tragen, weil sie kleiner sind. Am besten geeignet ist helle Kleidung, denn darauf sind Zecken leichter aufzuspüren. Und: Auf glatten Stoffen können sich die Parasiten weniger gut festkrallen.

Sprays und Lotionen mit Zeckenschutz

Sprays und Lotionen mit Zeckenschutz: Diese Anti-Zecken-Mittel, auch Repellents genannt, werden auf die Haut oder Kleidung aufgetragen. Sie bieten einen zeitlich begrenzten Schutz gegen Zecken, wirken aber meist nur ein bis drei Stunden.

Darüber hinaus ist die Wirkung der Präparate bei jeder Person unterschiedlich. Mittel gegen Zecken bestehen aus chemisch-synthetischen oder natürlichen Substanzen.

Eine gute, wenn auch eine schwächere Wirkung haben einige Fettsäuren wie die Laurinsäure oder die Caprylsäure, etwa in Kokosöl.

Allerdings sind auch die Zeckenmittel auf pflanzlicher Basis nicht risikolos. Sie können Nebenwirkungen hervorrufen. Teebaumöl beispielsweise kann die Haut lichtempfindlich machen und Allergien auslösen. Der natürliche Wirkstoff Citriodiol ist potenziell schleimhautreizend.

Kokosöl und andere Hausmittel gegen Zecken

Ob Hausmittel wie Schwarzkümmelöl, frischer Knoblauch oder stark duftende ätherische Öle wie z. B. Rosengeranie, Grapefruit, Lavendel, Thymian oder Rosmarin gegen Zecken helfen, ist umstritten. Ihre Wirkung hält zudem offenbar weniger lange an als bei Repellents aus chemisch-synthetischen Substanzen.

In jedem Fall sollten Sie ätherische Öle nicht pur auf der Haut anwenden, sondern zur Prophylaxe nur wenige Tropfen mit einem Basisöl wie Mandel- oder Kokosöl vermischen.

Was hilft gegen Zecken im eigenen Garten?

Zecken können nicht nur in Wald und Flur, sondern auch im eigenen Garten zustechen. Die Blutsauger fühlen sich z. B. in der feuchten Umgebung unter Laub und an schattigen Plätzen wohl.

Je trockener der Garten ist, je mehr Sonne an die Pflanzen kommt, desto ungemütlicher wird es für die Parasiten. Daher sollten zur Prophylaxe Äste und Büsche zurückgeschnitten sowie Laub entfernt werden.

In Holzstapeln im Garten sind Zecken ebenfalls zu finden. Denn Zecken befallen z. B. Mäuse, die gern Unterschlupf in Holzhaufen suchen.

Vogelhäuschen sollten Sie in ausreichender Entfernung von Haus oder Wohnung aufstellen. Grund: Zecken wählen auch Vögel häufig als Wirte.

Zecken entfernen

So entfernen Sie Zecken

Suchen Sie die Kleidung und den Körper nach der Rückkehr aus der freien Natur gründlich ab. Zecken bevorzugen Stellen mit dünner Haut wie Kniekehlen, Armbeugen, Achsel- und Leistengegend.

Mit einer Pinzette lassen sich die Spinnentiere einfach entfernen. Machen Sie dies sofort. In den ersten 24 Stunden „Haftzeit“ ist eine Ansteckungsgefahr gering, das Infektionsrisiko steigt mit der Zeitdauer an.

Vermeiden Sie das Zerquetschen der Zecke und nutzen Sie keine Öle oder Cremes. Desinfizieren Sie stattdessen die Stichstelle.

Untersuchen Sie auch sorgfältig Ihre Haustiere. In ihrem Fell können sich Zecken befinden, die dann zum Menschen übergehen.

Krankheitsübertragung durch Zecken

FSME – Gesundheitsrisiko durch infizierte Rohmilch

Der FSME-Virus breitet sich aus, die Zahl der Risikogebiete in Deutschland wächst. Erste Symptome der Frühsommer-Meningoenzephalitis ähneln einer Erkältung mit Kopfschmerzen, Fieber, Gliederschmerzen.

Sie treten zum Teil erst Wochen nach dem Zeckenstich auf. Die Viren, die die Krankheit auslösen, befinden sich im Speichel der Zecken. In schweren Fällen kann es zum Beispiel zu einer Hirnhautentzündung kommen.

Behandelbar sind nur die Symptome, nicht die Erkrankung selbst. Noch gibt es keine Medikamente dagegen. Aber: Es gibt eine Impfung gegen FSME.

FSME kann auf den Menschen nicht nur durch Zecken, sondern auch durch das Essen oder Trinken von Rohmilchprodukten übertragen werden.

Das Robert Koch-Institut (RKI) stellte fest, dass Erkrankte zuvor Ziegenkäse aßen bzw. Ziegenmilch tranken. Offenbar gelangte der von den Zecken übertragene Erreger über die Ziegen in die Milch.

Das RKI geht davon aus, dass Produkte aus pasteurisierter Milch unbedenklich sind. Die FSME-Impfung schützt zudem auch vor der Ansteckung über diesen neuen Übertragungsweg.

Borreliose verursacht Wanderröte

Die Borreliose wird durch Bakterien übertragen, die Borrelien. In den Risikogebieten im europäischen Raum ist das die häufigste Krankheit, die durch Zecken übertragen wird.

Ein typisches Erkennungszeichen ist die Wanderröte. Hinzu können grippeähnliche Beschwerden wie Muskel- und Gelenkschmerzen kommen.

Die Krankheitserreger können sich über die Blutbahn im Körper ausbreiten und in fortgeschrittenen Stadien – dies jedoch nur in Einzelfällen – Nerven-, Hirnhaut- und Gelenkentzündungen auslösen.

Da sich die Borrelien im Darm der Zecke befinden, dauert es einige Stunden, bis die Erreger auf den Wirt übertragen werden. Bei schneller Entfernung der Zecke ist die Gefahr einer Erkrankung gering.

Sollte eine Borreliose klinisch nachgewiesen werden, kann sie mit Antibiotika behandelt werden.
Eine Übertragung der Borreliose findet bei nur drei Prozent aller Zeckenstiche statt. Zu klinisch manifesten Infektionen kommt es lediglich bei einem Prozent aller Stiche.

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Guter Schutz durch Zeckenimpfung

Eine „Zeckenimpfung“ an sich gibt es nicht. Gegen FSME hingegen gibt es mit einer Impfung den sicheren Schutz. Wer in einem FSME-Risikogebiet viel im Freien unterwegs ist, sollte sich impfen lassen. Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern auch für Reisen ins Ausland.

Für einen vollständigen FSME-Impfschutz sind zunächst drei Impfungen notwendig. Laut Robert Koch-Institut sind danach 99 Prozent der Geimpften gegen die Krankheit immun. Anschließend sind regelmäßige Auffrischimpfungen notwendig.

Wird sehr schnell ein Impfschutz benötigt, gibt es die Möglichkeit einer Schnellimmunisierung.

Es existieren besondere Impfstoffe für Kinder ab einem Jahr. Wichtig ist aber zuvor eine ausführliche Beratung mit einem Kinderarzt oder Experten, ob eine Impfung in sehr jungem Alter wirklich sinnvoll ist.

Eine Impfung gegen Borreliose gibt es nicht. Der beste Schutz ist daher die Vermeidung eines Zeckenstichs.

Riesen-Zecke, Hyalomma-Zecke
Neben der bekannten Zeckenart (links) wurde im vergangenen Jahr auch die deutlich größere tropische Hyalomma-Zecke bei uns gesichtet.

Neue Riesenzecke in Deutschland entdeckt

Durch den sehr warmen Sommer 2018 in Deutschland erweckt eine weitere Zeckenart Aufmerksamkeit: die tropische Hyalomma-Zecke. Darauf weist die Universität Hohenheim hin.

Diese Riesenzecke wird bis zu „zwei Zentimeter groß, hat auffällig gestreifte Beine und ist sehr lebhaft“, sagt die Parasitologin und Zecken-Spezialistin Prof. Dr. Ute Mackenstedt von der Uni Hohenheim.

Dabei sind die exotischen Hyalomma-Zecken sogenannte Jagdzecken,
also aktive Jäger. Ausgestattet mit guten Augen, laufen sie schnell, erkennen Warmblüter auf Distanzen von bis zu 10 Metern und können Opfer bzw. Wirte über mehrere 100 Meter verfolgen.

Die neue, gefährliche Zeckenart gehört wie der Holzbock zur Gattung der Schildzecken, bisher sind davon 27 Arten bekannt. Viele übertragen Viruskrankheiten wie zum Beispiel das Zecken-Fleckfieber oder das Krim-Kongo-Fieber.

Das heißt: Sie übertragen andere Krankheitserreger als etwa der Holzbock als heimische Zeckenart. Bei der Übertragung von FSME oder Borreliose spielen sie hingegen nach aktuellem Stand der Forschung keine Rolle.

Riesenzecke erstmals in Deutschland 2015 nachgewiesen

In den Jahren 2015 und 2017 wurden zwei einzelne Exemplare der Riesenzecke Hyalomma entdeckt. Sie wurden vermutlich durch Zugvögel aus Afrika und Südeuropa eingeschleppt.

2018 sind sieben Tiere registriert worden, u. a. in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. Bis Juni 2019 gab es sechs Funde in NRW (5) und Niedersachsen (1). In Bezug auf das Alter der entdeckten Parasiten könnte das ein Hinweis darauf sein, dass die Tropenzecken den hiesigen Winter erstmals überlebt haben.

Einschleppungen von Zecken können rasche Entwicklungen nehmen. In der Türkei etwa tauchten die ersten Riesenzecken im Jahr 2002 auf. Bis zum Jahr 2019 registrierten Experten über 10.000 Fälle von Krim-Kongo-Fieber, ausgelöst durch das gleichnamige Virus.

Die Todesrate lag bei knapp fünf Prozent. Eine Ansteckung erfolgt meist über engen Kontakt zu Nutztieren.

Freiluft-Liebhaber müssen achtgeben

Wer viel in Wald und Wiese unterwegs ist, sollte auch auf dieses Spinnentier achten. Die Forscher der Universität Hohenheim bitten zudem um Mithilfe: Wer eine Riesenzecke sichtet, möchte dieses melden und die Info samt Foto an die Universität Hohenheim per Mail schicken.

Adresse: tropenzecken@uni-hohenheim.de. Weitergehende Informationen zu der neuen Zeckenart finden Sie unter zecken.uni-hohenheim.de.

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