Dämmung, Brandschutz und Schimmel – die fünf wichtigsten Fragen

Behaglich soll das traute Heim sein, aber auch die Umwelt und die Geldbörse schonen. Wärmedämmung hat viele Vorteile, jedoch nicht immer einen leichten Stand. Wir fragten Diplom-Ingenieur Werner Eicke-Hennig vom Energieinstitut Hessen, ob eine Dämmung sinnvoll ist.

Diplom-Ingenieur Werner Eicke-Hennig

Erfahrener Praktiker & Ratgeber: Diplom-Ingenieur Werner Eicke-Hennig vom Energieinstitut Essen

Etwa zwei Drittel der rund 15 Millionen deutschen Ein- und Zweifamilienhäuser sind nicht auf dem neuesten energetischen Stand. Hinzu kommen die vielen unsanierten Mietwohnungen. Viele Eigentümer schrecken vor den Kosten einer effizienteren Heizungsanlage und einer umfassenden Dämmung zurück. Außerdem verunsichern immer wieder Meldungen, die über Nachteile einer Wärmedämmung berichten. Doch sind diese Warnungen berechtigt? Oder kann man mit einer Sanierung die Umwelt schonen, Energie sparen und die Heizkosten senken? Wir wollten es genauer wissen und fragten einen erfahrenen Praktiker und Ratgeber:  Diplom-Ingenieur Werner Eicke-Hennig.

1) Die Dämmung eines Einfamilienhauses kostet über 20.000 Euro. Kritiker sehen jedoch nur eine Einsparung von 20 Prozent pro Jahr. Dies würde sich also nicht rechnen. Stimmt das?

Durch die Einspartechniken am Haus, unter anderem die Dämmung,  sinken die Heizkosten. Damit spart der Hauseigentümer. Wie lange es dauert, bis sich die Investition amortisiert hat, kommt auf den Umfang der Energiesparmaßnahme, einer möglichen Förderung und ob es sich um einen Alt- oder Neubau handelt an. Grob gerechnet liegen die Amortisationszeiten zwischen fünf und zwanzig Jahren. Beim ältesten Haus mit einer Fassadendämmung von 1963 sind die Mehrkosten für die Dämmung in den 55 Jahren schon zweimal zurückgeflossen. Das Einzige, was bisher an der Fassade Kosten verursacht hat, war der einmalige Anstrich des Putzes. Und dies unabhängig von der Dämmung.

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2) Besonders Polystyrole, also Kunststoff-Dämmplatten, stehen in der Kritik. So sollen sie als Brandbeschleuniger im Sommer 2017 beim Hochhausbrand in London gewirkt haben. Brauchen wir eine Materialwende in der Energiewende?

Hier war die Berichterstattung nicht ganz korrekt. Es gab gar kein Polystyrol in der Fassade. Die Dämmung war nicht entscheidend am Brand beteiligt. Es brannten die Wetterschutzplatten und das Innere des Hauses. Dämmstoffe brennen bei Zimmer-, Carport- oder Müllcontainerbränden mit, sind aber keine Zündquelle. Der Brandverlauf wäre auch ohne Fassadendämmung ähnlich. Auf Polystyrol muss niemand verzichten. Es enthält auch keine bromierten Flammschutzmittel mehr, ist billig und feuchtetechnisch robust. Darüber hinaus gibt es 30 weitere Dämmstoffe zur Auswahl.

Gut abgesichert in der Bauzeit

Während der Bauzeit sind Sie als Bauherr für die Baustelle verantwortlich. Werden Dritte geschädigt, müssen Sie für diese Schäden aufkommen. Beispielsweise wenn jemand in Ihre Baugrube stürzt und sich durch den Sturz schwer verletzt. Die ERGO Bauherrenhaftpflicht-Versicherung schützt Sie, wenn ein Dritter an Sie Haftpflichtansprüche stellt.

3) Schimmeln gedämmte Wände eher als ungedämmte?

Ganz im Gegenteil – Dämmung senkt das Schimmelrisiko. Gedämmte Außenbauteile sind auf der Innenseite im Winter wärmer als ungedämmte, das zeigen Untersuchungen immer wieder. Auf kalten Außenbauteilen schlägt sich im Winter Tauwasser aus der Raumluft nieder, darin entwickelt sich der Schimmel. Am gefährdetsten sind nach außen auskragende Balkonplatten, besonders mit Beton-Fensterstürzen darunter. Nur eine Wärmedämmung kann diese neuralgischen Probleme lösen, indem sie die Innentemperatur um 3 bis 4 Grad anhebt.

4) Es gibt viele Empfehlungen, wenn man ein Haus saniert – worauf sollten Modernisierer konkret achten?

Man sollte den Stand der Energieeinsparverordnung von 2016 einhalten und nicht zu kurz springen: Ein Haus baut man für über 50 Jahre, das sollte nicht in zwei Jahrzehnten erneut saniert werden müssen. Modernisierer sollten sich an sechs Schritte halten: 20–30 cm Dämmung des Daches, 12–20 cm Dämmung der Außenwände, 8–10 cm Dämmung der Kellerdecke. Auch wichtig: Zwei- oder Dreifachwärmeschutzverglasung bei Fenstern, mindestens ein Brennwertkessel und bei Ein- oder Zweifamilienhäusern eine thermische Solaranlage.

5) Wie lautet Ihr Fazit – ist Dämmen ein Risiko oder eine Chance?

Dämmung ist klimagerechtes Bauen. Ein Einfamilienhaus hat außen 400 bis 500 Quadratmeter Abkühlfläche und die Heizperiode ist neun Monate lang. Deshalb ist eine Senkung der Wärmeverluste alternativlos. Gute Dämmung bedeutet: behaglich, klimagerecht und sicher vor Energiepreis- und Versorgungskrisen. Das Risiko besteht darin, nicht zu dämmen!

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