Graffiti entfernen: was Hausbesitzer beachten müssen

Graffitis, die bunten Sprühereien, sind schwer zu entfernen. In Deutschland verursachen sie jährlich Schäden in dreistelliger Millionenhöhe. Wie können Graffitis entfernt werden? Und wie können Sie Ihren Schaden möglichst gering halten?

Gestern war Ihre Hauswand noch schön weiß. Das Garagentor sah makellos aus. Die neue Mülltonnenbox glänzte in der Abendsonne. Und nun das: Ein schwarzer oder farbiger Schriftzug, ein Bild oder ein Namenskürzel starrt Sie von der Oberfläche an. Jemand hat über Nacht ein Graffiti hinterlassen.

Graffitifälle haben zugenommen

Besonders in Großstädten sind illegale Lack-Sprühereien keine Seltenheit: In Deutschland gab es 2020 mehr als 109.000 polizeilich gemeldete Sachbeschädigungen durch Graffitis. Ein Jahr zuvor waren es noch weniger als 97.000. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.

Schätzungen zufolge entstehen bundesweit jährlich Schäden an der Bausubstanz in Höhe von 200 Millionen Euro. Allein die Deutsche Bahn hatte im Jahr 2020 Kosten für Graffitientfernung in Höhe von 38 Millionen Euro. Je nach Aufwand kann die professionelle Beseitigung von Graffitis pro Quadratmeter mit mehr als 100 Euro zu Buche schlagen. Die Übeltäter sind leider nur selten zu ermitteln und daher nicht zur Rechenschaft zu ziehen.

Graffitientfernung: zügig handeln

Hat sich jemand an Ihrem Eigentum mit Sprühlack „verewigt“, dann sollten Sie zügig reagieren. Denn ein Graffiti zieht erfahrungsgemäß schnell Nachahmer an. Hinzu kommt: Je kürzer die Sprühattacke zurückliegt, desto leichter lässt sich die Farbe noch entfernen.

Zuerst sollten Sie jedoch entscheiden, ob Sie die Beseitigung selber durchführen oder lieber Fachleute beauftragen wollen.

Unter Umständen kommt Versicherung für Graffitientfernung auf

Der Vorteil, wenn Sie schnell handeln: In den meisten Fällen ist dann auch eine schonende und rückstandslose Entfernung gewährleistet. Zumal Ihre
Wohngebäudeversicherung unter Umständen einen Graffitischaden abdeckt. Ein Blick in Ihre Vertragsunterlagen lohnt sich. Sollten Sie gegen Graffitischäden versichert sein, ist es ratsam, sich professionelle Hilfe zu holen. Richten Sie nämlich durch einen eigenen unsachgemäßen Reinigungsversuch einen zusätzlichen Schaden an, kommt Ihre Versicherung für diesen nicht auf.

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Graffitis selbst entfernen: Vor- und Nachteile

Wenn Sie als Hausbesitzer selbst Hand anlegen, sparen Sie zunächst einmal viel Geld. Hinzu kommt, Stichwort „schnelles Handeln“: Sie können umgehend loslegen und müssen nicht erst auf eine Firma warten.

Die Reinigungsmethoden sind oft anspruchsvoll

Das nachhaltige und oberflächenschonende Entfernen von Graffitis ist jedoch in den meisten Fällen recht aufwendig. Zudem erfordert es Präzision und ein gewisses Maß an handwerklichen Fähigkeiten. Sie müssen auch die fachgerechte Entsorgung der Lackreste sicherstellen. Und sollte Ihre Rettungsaktion zusätzlichen Schaden verursachen, kann es sein, dass sie diesen selbst zahlen müssen. Sie fühlen sich sicher mit dieser Aufgabe? Dann lesen Sie im Folgenden unsere Tipps für das eigenhändige Entfernen von Graffitis.

Graffiti entfernen: Manchmal genügt ein Neuanstrich

Ist die Oberfläche glatt, etwa bei einem Garagentor aus Metall, können Sie die Stelle in einigen Fällen einfach überstreichen. Die exakte Farbschattierung lässt sich mit einem mobilen Farbmessgerät ermitteln. Doch auch mit einer Grundierung verhindern Sie unter Umständen nicht, dass das Graffiti durchschimmert. Auf der sichereren Seite sind Sie, wenn Sie den unerwünschten Sprühlack entfernen. Dafür gibt es die folgenden Möglichkeiten: 

Graffiti entfernen mit Hausmitteln: Grundwasserverunreinigung vorbeugen!

Wenn Sie ein Hausmittel wie etwa einen Allzweckreiniger einsetzen, müssen Sie in jedem Fall sicherstellen, dass keine Verunreinigungen ins Grundwasser gelangen! Dies kann schnell geschehen. Bevor Sie Graffiti entfernen, beachten Sie daher die entsprechenden Auflagen Ihres Bundeslandes und Ihrer Gemeinde. Unter Umständen benötigen Sie eine behördliche Genehmigung. Denn selbst wenn das Reinigungsmittel biologisch abbaubar ist: Der Graffitilack ist es nicht! Halten Sie ein Tuch unter die zu behandelnde Stelle oder decken Sie den Boden ab!

Lösungsmittel aus dem Baumarkt

Spezifischer wirken Graffitientferner, die es in Baumärkten als Flüssigkeit, Spray oder Gel gibt. Sie kosten pro Liter zwischen 25 und 45 Euro. Die Mittel lösen oder unterwandern die aufgesprühten Farbschichten, sodass Sie diese nach einer gewissen Einwirkzeit meist mit Wasser abwischen können. Doch ganz so einfach, wie es klingt, ist das nicht! Das Abwasser müssen Sie nämlich sammeln und je nach örtlicher Vorschrift fachgerecht entsorgen bzw. sicher der Kanalisation zuführen.

Graffitientfernung: grundlegende Tipps

  • Beginnen Sie möglichst schnell, solange die Sprayfarbe noch frisch ist.
  • Lesen Sie die Anwendungshinweise der Hersteller stets genau durch.
  • Tragen Sie Schutzkleidung für Körper, Gesicht und Hände.
  • Arbeiten Sie am besten bei Temperaturen von 15 Grad oder mehr. Je wärmer, desto besser.
  • Arbeiten Sie beim Entfernen und Nachstreichen stets von unten nach oben.

Der Premium Schutz für Ihr Wohngebäude

Neben den ausgezeichneten Leistungen in der ERGO Wohngebäudeversicherung sind im Premium Schutz zusätzliche Leistungen mitversichert. Wie z. B. die Kosten für die Beseitigung von Gebäudeschäden, die durch Menschen oder Tiere entstanden sind – bis zu 15.000 Euro. Und dazu gehören auch Schäden durch Graffiti.

Graffiti biologisch entfernen – funktioniert besonders auf Metall

Eine biologische Alternative ist zertifizierter Orangenextrakt, der für etwa 40 Euro pro Liter zu haben ist. Für kleinere Graffitis, insbesondere auf glatten Flächen wie Metall, Türen oder Fenstern, sind spezielle feuchte Tücher eine Alternative. Diese sind mit einem geruchsarmen und biologisch abbaubaren Reinigungsmittel getränkt.

Je rauer die Oberfläche, desto schwieriger

Bei größeren Graffitis benötigen Sie unter Umständen eine größere Menge, sodass der Preis für die Reinigung von eigener Hand steigt. Dazu ist die Anwendung mühselig und zeitaufwendig. Bei groberen Oberflächen wie Klinker oder rauem Putz sind biologische Alternativen weniger geeignet, da Rückstände und damit Farbpigmente zurückbleiben können, und das Problem der Entsorgung stellt sich ebenfalls. Ein Hausmittel, das in einigen Internetforen angepriesen wird, ist das Entfernen von Graffitis mit Deo und/oder Haarspray. Dass dies wirklich funktioniert, ist jedoch zweifelhaft.

Graffitirückstände mechanisch entfernen

Ein mechanischer Weg, Spraylack zu entfernen, ist der Einsatz von Druckreinigern, die entweder mit chemischen Zusätzen, Heißwasser oder Granulat funktionieren. Ganz allgemein ist jedoch zu beachten: Nicht einmal auf Metall ist immer eine rückstandslose Entfernung garantiert. So kann der Spraylack bereits in tiefere Schichten des Materials eingedrungen sein. Möglich ist zudem, dass die Oberfläche nach der Entfernung des Graffitis einen anderen Ton als der Rest der Hauswand hat. Denn Letzterer weist je nach Lebensdauer einen natürlichen Verschmutzungsgrad auf. Dann bedarf es eventuell eines Farbmessgerätes, um die Fläche in exakt dem richtigen Ton nachzustreichen.

Graffiti entfernen: Profi-Reinigungsmethoden

Zu guter Letzt gibt es für geübte oder professionelle Hände noch das abrasive Verfahren sowie das Laserverfahren. Bei Ersterem wird das Graffiti mit unterschiedlichen Strahlmitteln und Hochdruck von der Oberfläche abgeschliffen. Auch hier gilt: Bei rauen und porösen Oberflächen kann das zu Veränderungen an der äußeren Bausubstanz führen.

Das Laserverfahren wird häufig im Denkmalschutz eingesetzt, wenn eine Entfernung von Graffiti besonders schonend verlaufen soll. Die Farbpigmente werden ohne Lösungsmittel oder Strahlmittel von der Oberfläche abgetragen.

Graffiti entfernen

Graffitischutz: Wie können Sie vorbeugen?

Vorbeugung durch „Opferschicht“

Um den Aufwand und die Kosten einer Entfernung von Graffiti zu minimieren, können Sie vorbeugen. Je nach Oberflächenbeschaffenheit können Sie eine spezielle Schicht auf Hauswand, Garagentor oder Briefkasten auftragen. Diese sogenannte „Opferschicht“ verhindert, dass die Sprüherei tief in die Struktur eindringt. Dann genügt meist heißes Wasser, gegebenenfalls mit Hochdruck, um das Graffiti zu entfernen. Ein Neuanstrich ist dann gegebenenfalls nicht nötig. Die Opferschicht kann vorübergehender (semipermanenter) oder dauerhafter (permanenter) Natur sein.

Vorübergehende Schutzschicht

Das Imprägnieren mit einer vorübergehenden Schutzschicht bietet sich bei mineralischen Baustoffen wie Ziegel, Naturstein, Beton und Kalksandstein an. Diese muss nach dem Entfernen eines Graffitis erneut aufgetragen werden, wenn Sie weiter vorbeugen wollen. Die Kosten liegen bei etwa 20 Euro pro Liter.

Dauerhafte Schutzschicht gegen Graffitis

Sind Ihre Hauswand, Ihr Garagentor oder äußere Anbauten häufiger Zielscheibe von Graffitikünstlern, bietet sich ein dauerhafter Graffitischutz an. Fassaden mit Dispersions- oder Silikonharzfarbanstrichen sowie lackierte Flächen und Oberflächen aus Metall können so permanent vor Sprühattacken geschützt werden. Ist eine Oberfläche mit einer permanenten Schutzschicht behandelt, kann das Durchschlagen von Graffitisprühlack ausgeschlossen werden. Der Nachteil ist allerdings: Die Versiegelung ist so effektiv, dass die Atmungsfähigkeit des Materials leidet. Es könnte daher zu Schimmelbildung kommen. Setzen Sie diese Mittel also besser nicht zu großflächig ein.

Vorbeugen durch Hindernisse

Sie können im Übrigen den selbst ernannten Graffitikünstlern auch den Spaß verderben. So verhindern Sie durch Scheinwerfer mit Bewegungsmeldern, dass die Sprüher im Schutz der Dunkelheit agieren können. Auch Pflanzen wie ein Kletterefeu oder eine stachelige Hecke machen eine Hauswand unattraktiv. Oder aber Sie wählen für Ihre Wand von vornherein einen markanten Farbton. Das Ganze noch auf grobem Putz, und die Graffitikünstler suchen sich wahrscheinlich eine andere „Leinwand“.

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