Photovoltaik oder Solarthermie – die Vor- und Nachteile der beiden Energielieferanten

Umweltfreundlich und unabhängig Energie gewinnen? Photovoltaik oder Solarthermie arbeiten mit Sonnenenergie. Ein Experte der Verbraucherzentrale erklärt, welche Technologie wann sinnvoll ist und welche Förderungen es gibt.

Thomas Seltmann, Verbraucherzentrale, Photovoltaik

Thomas Seltmann, Verbraucherzentrale NRW
Seltmann arbeitet als unabhängiger Experte, Autor und Referent für Photovoltaik.

Steigende Preise beim Strom, schwankende Preise beim Gas – viele Menschen wollen sich unabhängiger von großen Energiekonzernen machen. Zugleich sind sie auf der Suche nach umweltfreundlichen Lösungen.

Deshalb entscheiden sich immer mehr Hausbesitzer für Sonnenenergie und damit für eine Photovoltaik- oder Solarthermie-Anlage zur Energie- oder Wämeerzeugung auf dem eigenen Dach.

„Eine Photovoltaik-Anlage erzeugt in den Solarzellen direkt Strom aus Licht“, erklärt Thomas Seltmann von der Verbraucherzentrale NRW. Bei der Solarthermie hingegen wird eine Flüssigkeit in den Solarkollektoren erhitzt, die sowohl zur Warmwasserbereitung als auch zum Heizen genutzt werden kann, so der Experte weiter.

Welche Technologie ist aber für Sie am besten geeignet? Thomas Seltmann analysiert die Vor- und Nachteile von Photovoltaik und Solarthermie.

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Photovoltaik: Vor- und Nachteile

Rund 7% des deutschen Stroms wird laut Statista 2018 durch Photovoltaikanlagen erzeugt. Ob sich auch für Sie Photovoltaik lohnt, hängt von einigen Faktoren ab.

Vorteile von Photovoltaikanlagen

Ein wichtiger Vorteil der Photovoltaik (PV) gegenüber der Solarthermie: Sollte Ihre Anlage mehr Energie produzieren, als Sie benötigen, dann sind die Überschüsse nicht verloren. Sie können eine Batterie als Stromspeicher im Haus installieren, die den Strom für sonnenlose Phasen wie die Abendstunden speichert – genau die Zeit, in der wir im Schnitt den meisten Strom verbrauchen.

Solche Stromspeicher werden von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW-Bank) mit günstigen Krediten gefördert.

Ein weiterer Vorteil der Photovoltaikanlage: Sie können alternativ auch den Strom, den Sie nicht für den Eigenverbrauch benötigen, in das öffentliche Netz einspeisen. Dafür erhalten Sie vom Netzbetreiber einen festen Betrag, die sogenannte Einspeisevergütung, die bei Vertragsabschluss für 20 Jahre festgelegt wird. Aktuell sind dies rd. 10,8 Cent pro Kilowattstunde (kWh).

Nachteile von Photovoltaikanlagen

Ab dem Moment, in dem Sie Strom in das Netz einspeisen, gelten Sie steuerrechtlich als Unternehmer. Informieren Sie sich daher vorab oder sprechen Sie mit Ihrem Steuerberater, welche zusätzlichen Kosten auf Sie zukommen könnten.

Entscheidend für die Nutzung des Solarstroms sind der entsprechende Dachwinkel und die Ausrichtung Ihres Daches. Ohne die optimale Ausrichtung lohnt sich eine solche Anlage unter Umständen nicht.

Ihr Zuhause bietet Ihnen viel Schutz – und wir Ihrem Zuhause.

Ein heftiger Sturm, der das Hausdach abdeckt, oder starker Hagel, der die Solaranlage beschädigt – auf das Wetter haben Sie keinen Einfluss. Auf den passenden Schutz schon. Mit der ERGO Wohngebäudeversicherung ist auch Ihre Solaranlage z. B. bei Schäden durch Sturm oder Hagel finanziell geschützt. Und wenn die Einspeisung wegen des Schadens unterbrochen ist? ERGO übernimmt die Einspeisevergütung, bis die PV-Anlage wieder Strom erzeugen kann – bis zu 24 Monate.

Solarthermie: Vor- und Nachteile

Mit einer Solarthermie nutzen Sie die Solarenergie als Heizung. Dabei erhitzt sich in den Kollektoren eine Flüssigkeit, die dazu dient, Wasser aufzuheizen. Man unterscheidet reine Warmwasser- und Kombi-Anlagen (für warmes Wasser plus Heizungsunterstützung).

Vorteile von Solarthermieanlagen

Sie können Solarthermie auch an der Hauswand installieren, so dass das Dach frei bleibt für eine zusätzliche Photovoltaik-Anlage. Da Solarthermie von einem sehr steilen Dachwinkel abhängig ist, bietet die Wandmontage die Möglichkeit, eine solche Anlage an weitaus mehr Häusern zu installieren.

Im Gegensatz zu einer Photovoltaik-Anlage ist die Solarthermie förderwürdig. Die KfW-Bank bietet dazu passende Unterstützung, die Sie allerdings vor dem Bau der Anlage beantragen müssen.

Nachteile von Solarthermieanlagen

Die Effizienz ist deutlich geringer als bei der PV, denn Sie brauchen die Wärme vor allem dann, wenn die Sonne weniger kräftig scheint: im Winter. Da sich Wärme nicht unbegrenzt speichern lässt, ist dies ein klarer Nachteil. Es gibt zwar entsprechende Warmwasserspeicher, allerdings muss auch hier Energie aufgewendet werden, damit das Wasser dauerhaft heiß bleibt. Gerade, wenn es darum geht, Kosten zu sparen, ist dies wenig effizient. So kann zudem die „überflüssige“ Wärme nicht in ein öffentliches Netz eingespeist werden, um sie weiterzugeben.

Solarthermie-Anlage

Kombianlagen für Strom und Wärme

Eine Kombianlage erwärmt Wasser und erzeugt parallel Strom. „Mit dieser Variante kann die konventionelle Heizung in der Übergangszeit länger ausgeschaltet bleiben“, weiß der Experte der Verbraucherzentrale. Damit dies möglich ist, benötigen Sie einen ausreichend großen Warmwasserspeicher. Bei Kombianlagen fassen diese in der Regel mindestens 700 Liter.

Allerdings wird eine solche Anlage seltener verbaut. Der Hintergrund: Solarthermie benötigt eine Dachfläche von lediglich ca. zwölf Quadratmeter für einen 4-Personen-Haushalt, eine PV-Anlage braucht deutlich mehr Platz. Außerdem arbeitet eine PV-Anlage bei niedrigeren Temperaturen als die Solarthermie, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

Um warmes Wasser zu erhalten, wird aber auch mehr Wärme benötigt. Je wärmer die Module werden, desto geringer ist die Leistungsfähigkeit der PV-Anlage (sie produziert weniger Strom).

Empfohlene Dachneigung für Photovoltaik und Solarthermie

Für die optimale Nutzung der Photovoltaik ist eine Dachneigung von 45 Grad und eine südliche Ausrichtung (Süd-Ost bis Süd-West) ideal. Aber auch auf Dächern mit einer reinen Ost-West-Ausrichtung ist die Stromerzeugung möglich. Hier sollte Ihr Dach weniger steil sein. Thomas Seltmann empfiehlt dann eine Neigung von 20 bis 40 Grad. Wichtiger sei aber, dass das Dach selbst nicht verschattet ist, also keine Bäume oder Häuser das Sonnenlicht blockieren.

Für Solarthermie empfiehlt sich ein steiler Dachwinkel von mehr als 45 Grad. Die Nutzung ist nur auf Dächern, die von Süd-Ost bis Süd-West ausgerichtet sind, möglich. „Alternativ kann ich eine solche Anlage aber auch in die Hauswand integrieren und dann das Dach für Photovoltaik nutzen“, rät Thomas Seltmann.

Photovoltaik-Anlage mit Solarthermie

Förderung und Finanzierung von Solaranlagen

Die Kosten für Solarthermie- und Photovoltaik-Anlagen lagen vor einigen Jahren noch weit auseinander. Die Preise für PV-Anlagen haben sich inzwischen denen der solarthermischen Anlagen angenähert, sodass es hier keine großen Unterscheide gibt, erklärt Seltmann.
Bei einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von 20 Jahren rechnet der Experte aktuell mit einem kWh-Preis von ca. zehn Cent bei der Photovoltaik. Hier sind Kaufpreis und Instandhaltung inbegriffen. Zum Vergleich: Die Kosten für eine Kilowattstunde beim örtlichen Stromanbieter liegen bei rund 26 bis 28 Cent.

Eine direkte Förderung für eine solche Anlage gibt es nicht. Für Batteriespeicher gibt es aber in einigen Bundesländern Zuschüsse sowie verbilligte Kredite von der staatlichen KfW-Bank. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass Sie den Strom gegen eine entsprechende Einspeisevergütung ins Stromnetz einspeisen.

Für die Solarthermie ist ein Vergleich zu den alternativen Warmwasser- und Heizungsformen leider aufgrund der Vielzahl der Energieträger nicht möglich. Sie können aber beim Bundesamt für Wirtschaft (BAFA) eine Förderung beantragen. Allerdings müssen Sie das unbedingt vor Vertragsabschluss für den Bau der Anlage erledigen.

Photovoltaik oder Solarthermie – welche Variante rechnet sich für Sie?

Eine komplett autarke Lösung bieten beide Technologien nicht. Sinnvollerweise sollten Sie maximal 80 Prozent der Wärme und 60 bis 80 Prozent des Stroms über die Solarenergie beziehen. Aufgrund der klimatischen Verhältnisse ist ein höherer Anteil nicht mehr wirtschaftlich, sagt Verbraucherschützer Seltmann.

Welche Technik sich am besten für Sie eignet, ist abhängig von den Gegebenheiten vor Ort. Hier spielen vor allem die Dachneigung, die zur Verfügung stehende Fläche und die klimatischen Bedingungen eine Rolle, wie Seltmann erklärt.

Beide Technologien sind sinnvoll einsetzbar. Die Verbraucherzentrale empfiehlt aber vor Ort den Rat eines Energieexperten. Der kann Sie unabhängig beraten und mit Ihnen Ihr persönliches Energiekonzept entwickeln.

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