Photovoltaik und Solarthermie helfen bei steigenden Energiepreisen

Umweltfreundlich und unabhängig Energie gewinnen? Photovoltaik und Solarthermie arbeiten mit Sonnenenergie. Ein Experte des Bundesverbands Solarwirtschaft erklärt, welche Technologie wann sinnvoll ist und welche Förderungen es gibt.

Thomas Seltmann Verbraucherzentrale NRW

Thomas Seltmann Referent Solartechnik und Speicher beim Bundesverband Solarwirtschaft (BSW)
Er arbeitet als unabhängiger Experte, Autor und Dozent für Anwendungsfragen

„Eine Photovoltaikanlage erzeugt in den Solarmodulen direkt Strom aus Licht“, erklärt Thomas Seltmann vom Bundesverband Solarwirtschaft. Die Solarzellen wandeln Sonnenenergie in Gleichstrom um. Ein Wechselrichter sorgt dafür, dass daraus Wechselstrom wird, den Sie für Ihre Elektrogeräte nutzen können. Überschüssigen Strom können Sie in das öffentliche Stromnetz einspeisen, dafür erhalten Sie eine Vergütung.

Bei der Solarthermie hingegen transportiert eine Flüssigkeit Wärme vom Dach in den Keller. Diese kann sowohl zur Warmwasserbereitung als auch zum Heizen genutzt werden“, so Thomas Seltmann weiter. Solarthermische Kollektoren auf dem Hausdach wandeln die Sonneneinstrahlung in Wärmeenergie um. Diese Wärme landet über eine Pumpe im Pufferspeicher, von wo aus sie die Heizkörper erwärmt oder das Warmwasser erhitzt.

Solarthermie versus Photovoltaik – welche Technologie ist für Sie am besten geeignet? Thomas Seltmann analysiert die Vor- und Nachteile von Photovoltaik und Solarthermie.

Vor- und Nachteile von Photovoltaik und Solarthermie

Der größte Vorteil sowohl von Photovoltaik- als auch von Solarthemieanlagen: Durch die Sonnenenergie erhalten Sie jahrzehntelang fast gratis Energie für Ihr Haus oder Ihre Wohnung. Der Nachteil bei beiden Anlagen: Sie müssen vorab Geld investieren, um sie zu installieren.

Ein weiterer Vorteil von Photovoltaik und Solarthermie: Sollte Ihre Anlage mehr Energie produzieren, als Sie in diesem Augenblick benötigen, sind die Überschüsse nicht verloren. Bei der Photovoltaik können Sie eine Batterie als Stromspeicher im Haus installieren. Damit sind Sie 24 Stunden lang, auch in sonnenlosen Phasen am Abend, mit Strom versorgt. Bei Solarthermieanlagen ist der Wärmespeicher stets inklusive.

Vorteile der Photovoltaikanlage

Die Photovoltaikanlage hat den großen Vorteil: Sie können den Strom, den Sie nicht für den Eigenverbrauch benötigen, in das öffentliche Netz einspeisen. Dafür erhalten Sie vom Netzbetreiber einen festen Betrag, die sogenannte Einspeisevergütung, die bei Vertragsabschluss für 20 Jahre festgelegt wird. Im Juli 2022 waren dies rund 6,2 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Im Rahmen der Aktualisierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes erhöht sich die Einspeisevergütung ab 2023 voraussichtlich auf 6,2 bis 8,2 Cent, je nach Einspeisevolumen.

9,4 bis 13,4 Cent können Sie dann bekommen, wenn Sie den gesamten erzeugten Strom ins Netz einspeisen. Dies ist zum Beispiel interessant, wenn auf Ihrem Grundstück ein zweites Gebäude für die Installation von Solarmodulen steht, das keinen eigenen Strom benötigt, etwa ein Stall.

Haus und Solaranlage absichern?

Mit der ERGO Wohngebäudeversicherung ist auch Ihre Solaranlage z. B. bei Schäden durch Sturm oder Hagel finanziell geschützt. Und wenn die Einspeisung wegen des Schadens unterbrochen ist? ERGO übernimmt die Einspeisevergütung, bis die PV-Anlage wieder Strom erzeugen kann – bis zu 24 Monate.

Nachteile von Photovoltaikanlagen

Es gibt kaum etwas, das gegen eine Photovoltaikanlage spricht. Voraussetzung ist allerdings, dass Sie eine genügend große Dachfläche zur Verfügung haben, die wenig verwinkelt und verbaut ist. Stark verschattete Dächer eignen sich ebenfalls kaum für eine solche Anlage.

Vorteile von Solarthermieanlagen

Ein großer Vorteil von Solarthermieanlagen: Sie sparen andere Heizenergie ein, sei es Gas, Öl, Strom oder Holzpellets. Im Gegensatz zu einer Photovoltaikanlage gibt es für die Solarthermie Zuschüsse: entweder als direkte Zahlung von 30 Prozent der Investitionskosten bei Antragstellung beim Bundesamt für Wirtschaft (BAFA) vor dem Kauf oder als Tilgungszuschuss bei einem Darlehen der KfW-Bank. Wahlweise können Sie nach dem Kauf die steuerliche Förderung in Höhe von 20 Prozent in Anspruch nehmen.

Ein weiterer Vorzug: Sie können Solarthermie auch an der Hauswand installieren, sodass das Dach frei bleibt für eine zusätzliche Photovoltaikanlage. Da steil angewinkelte Solarkollektoren im Winterhalbjahr, also in der Heizperiode, mehr Energie liefern und die Sommerüberschüsse dadurch deutlich reduziert werden, kann dies von Vorteil sein.

Nachteile von Solarthermieanlagen

Wenn eine Solarthermieanlage im Sommer mehr Wärme erzeugt, als Sie benötigen, können Sie – im Gegensatz zur Photovoltaikanlage – die überflüssige Energie nicht „irgendwo einspeisen“, sondern die Wärme bleibt ungenutzt. Dies kann ein Nachteil sein.

Außerdem erzeugt eine Solarthermieanlage ausschließlich Wärme, die Sie für die Heizung oder das Warmwasser nutzen können. Der Strom aus einer Photovoltaikanlage kann vielseitiger verwendet werden, nämlich für alle möglichen elektrischen Geräte, aber auch zur Bereitstellung von Wärme.

Empfohlene Dachneigung für Photovoltaik und Solarthermie

Für die optimale Nutzung der Photovoltaik ist eine flachere Dachneigung von 30 bis 35 Grad ideal. Die Himmelsausrichtung spielt eine geringere Rolle als bei einer Solarthermieanlage.

Für Solarthermie empfiehlt sich ein steiler Dachwinkel von mehr als 45 Grad. Die Ausrichtung des Daches ist am besten von Südost bis Südwest. „Alternativ können Sie eine solche Anlage aber auch in die Hauswand integrieren und dann das Dach für Photovoltaik nutzen“, rät Thomas Seltmann.

Wichtig ist für beide Anlagen, dass das Dach selbst nicht verschattet ist, also keine Bäume oder Häuser das Sonnenlicht blockieren.

Photovoltaik und Solarthermie zusammen auf einem Dach?

Es ist möglich, beide Systeme zu kombinieren. Entweder nutzen Sie einen Teil der Dachfläche für die solarthermischen Kollektoren und einen anderen für die Solarmodule. Sogenannte Hybridkollektoren verbinden Photovoltaikmodule mit Wärmekollektoren und versprechen eine größere Energieausbeute. In der Praxis ist das aber von bestimmten Gegebenheiten abhängig.

Förderung und Finanzierung von Solaranlagen

Die Kosten für eine Solarthermieanlage liegen zwischen 5.000 und 15.000 Euro. Eine Photovoltaikanlage kostet je nach Größe 10.000 bis 20.000 Euro. Bei einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von 20 Jahren rechnet der Experte aktuell mit einem kWh-Preis von circa 8 bis 15 Cent bei der Photovoltaik. Hier sind Kaufpreis und Instandhaltung inbegriffen. Zum Vergleich: Die Kosten für eine Kilowattstunde beim örtlichen Stromanbieter lagen im Juni 2022 zwischen 30 und 45 Cent.

Durch die Einspeisung des überschüssigen Stroms ins öffentliche Netz erhalten Sie für eine Photovoltaikanlage eine direkte Förderung. Für Batteriespeicher in Photovoltaikanlagen gibt es immer mal wieder Zuschüsse sowie verbilligte Kredite, unter anderem von der staatlichen KfW-Bank. Auch das Mieten einer solchen Anlage ist möglich.

Für die Solarthermie ist ein Preisvergleich zu den alternativen Warmwasser- und Heizungsformen aufgrund der Vielzahl der Energieträger nicht möglich. Eine Förderung für den Einbau einer Solarthermieanlage können Sie beim Bundesamt für Wirtschaft beantragen. Beim Neubau oder einer Sanierung eines Hauses können Sie über die KfW-Bank einen Tilgungszuschuss erhalten. „Bei allen Fördermöglichkeiten ist es wichtig, dass Sie rechtzeitig die Voraussetzungen prüfen“, betont Seltmann. Manche Anträge müssen zum Beispiel vor Vertragsabschluss für den Bau der Anlage erfolgen, manche erst danach.

Photovoltaik oder Solarthermie – welche Variante rechnet sich für Sie?

Welche Technik sich am besten für Sie eignet, ist abhängig von den Gegebenheiten vor Ort. Hier spielen vor allem die Dachneigung, die zur Verfügung stehende Fläche und die klimatischen Bedingungen eine Rolle, aber auch der Energiebedarf des Gebäudes und der Stand der Heizungstechnik, wie Seltmann erklärt. Ist ein Dach ausreichend groß, sind beide Anlagen sinnvoll.

Eine komplett autarke Lösung bieten beide Technologien nicht. In der Regel können Sie bei der Solarthermie maximal 25 bis 50 Prozent der Wärme durch Solarenergie decken, bei der Photovoltaik 20 bis 30 Prozent des Strombedarfs bei einem Einsatz ohne Batterie, 60 bis 80 Prozent mit Batterie.

Beide Technologien sind auf jeden Fall sinnvoll einsetzbar. Vor der Umsetzung sollten Sie den Rat eines Energieberaters sowie eines versierten Handwerksbetriebes einholen. Zusammen können die Experten für Sie ein persönliches Energiekonzept entwickeln, damit Sie unabhängiger von steigenden Energiepreisen werden.

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