Paketannahme verweigern: wichtige Hinweise

Der Online-Handel boomt: Zwei von drei Deutschen kaufen zumindest gelegentlich regelmäßig im Internet ein. Doch was ist zu beachten, wenn ich es mir als Kunde anders überlege und die Paketannahme verweigern möchte? Und welche Rechte und Pflichten hat der Nachbar bei der Paketannahme?

Kennen Sie das? Sie haben in einem Online-Shop Spielzeug für Ihre Kinder, eine schicke Sommerjacke oder Bluetooth-Lautsprecher bestellt. Doch nun stellen Sie fest, dass Sie das bestellte Produkt doch nicht brauchen: Der Nachwuchs hat das Spiel bereits, die Jacke passt nicht zum Lieblingskleid, ein Freund rät Ihnen von diesen Lautsprechern ab. Was nun?

Statt Rücksendung einfach die Paketannahme verweigern

Laut Gesetz haben Sie beim Online-Shopping ein 14-tägiges Rückgabe- bzw. Widerrufsrecht. Manche Onlinehändler gewähren sogar freiwillig eine längere Widerrufsfrist. Doch das Paket öffnen und es mit ausgefülltem Retourenschein wieder zur Post bringen – das würden Sie gerne vermeiden? Ist die Ware noch nicht versandt, können Sie Ihre Bestellung gegebenenfalls noch direkt beim Online-Händler stornieren. Checken Sie dafür die Bestellmodalitäten Ihres Verkäufers. Andernfalls ist der einfachste Schritt, direkt beim Zusteller die Paketannahme zu verweigern. Dieser versieht das Paket mit einem entsprechenden Vermerk, und es geht an den Absender zurück.

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Kosten für die Rücksendung: Auf das Kleingedruckte achten!

In diesem Fall berechnen Zusteller dem Händler ein Rücksendeentgelt. Bei DHL beträgt dieses zum Beispiel 4,00 Euro. Rücksendekosten darf der Verkäufer seit 2014 dem Kunden in Rechnung stellen. Das muss jedoch explizit in der Widerrufsbelehrung erwähnt werden. Viele große Online-Händler verzichten darauf, den Kunden mit den Kosten für die Rücksendung zu belasten. Allerdings gibt es hier oft Einschränkungen in den Rückgabebedingungen, die sich von Händler zu Händler unterscheiden können. Infos dazu finden sich oft auf der Homepage des jeweiligen Händlers.

Paketannahme verweigern statt Widerruf?

Wichtig: Paketannahme verweigern ist kein Widerruf!

Liegt das Paket für Sie zur Abholung bereit, wird es bei Nichtabholung nach einer gewissen Frist zurückgesandt. In einer DHL-Filiale beträgt die Frist sieben Werktage, in einer Packstation neun Kalendertage, in einem Hermes-Paketshop zehn Kalendertage. Auch die Nichtabholung gilt als verweigerte Annahme. Wichtig: Studieren Sie, wenn Sie die Paketannahme verweigern wollen, unbedingt die Widerrufsbelehrung des Verkäufers! Denn rein rechtlich ist dieser Schritt kein Widerruf! Sie befinden sich vielmehr im Annahmeverzug. Der Verkäufer kann Ihnen nach Ablauf der Widerspruchsfrist eine Annahmefrist setzen. Zwar sind einige Onlinehändler kulant und verzichten auf einen ausdrücklichen Widerruf. Darauf sollte man sich aber nicht verlassen. Rein rechtlich muss der Widerruf gegenüber dem Händler ausdrücklich erklärt werden. Dafür gibt es bei manchen Onlinehändlern spezielle Internetseiten. Bedenken sollten Sie auch, dass ein Paket bei verweigerter Annahme nicht die Retouren-Aufkleber trägt, die eine eindeutige Zuordnung ermöglichen. Es verursacht daher an allen Stationen der Versandkette zusätzliche Arbeit, und die Bearbeitung der Kostenrückerstattung kann sich gegenüber einer normalen Retourensendung mit entsprechenden Aufklebern deutlich verzögern.

Privat-Rechtsschutz

Damit Sie wirksam bei rechtlichen Auseinandersetzungen rund um Online-Bestellungen geschützt sind, ist der Privat-Rechtsschutz unerlässlich, z. B. wenn die bestellte Ware nicht oder beschädigt geliefert wurde. Dann können Sie beispielsweise Ersatzlieferung oder Schadensersatz geltend machen. Sind Ihnen Zusatzleistungen wichtig? Erweitern Sie den Privat-Rechtsschutz um den leistungsstarken Baustein Service-Plus! Dieser bietet Ihnen Hilfe beim Schutz Ihrer Identität im Internet.

Paketannahme verweigern, obwohl der Nachbar bereits angenommen hat?

Hat ein Nachbar für Sie ein Paket angenommen, gilt das Paket als zugestellt. Der eigentliche Empfänger kann nun nicht mehr so einfach die Paketannahme verweigern. Es gibt jedoch die Möglichkeit, umgehend mit dem Paket in die nächste Post-Filiale zu gehen. Selbstverständlich kann auch Ihr Nachbar die Paketannahme verweigern.

Vom Nachbarn angenommenes Paket ist beschädigt oder wurde gestohlen

Doch was passiert, wenn der Nachbar (oder Sie als Nachbar) ein Paket annimmt, dessen Inhalt beschädigt ist? Und wer haftet, wenn er es nach Annahme vor Ihrer Wohnung deponiert und es dort gestohlen wird? Grundsätzlich gilt: Die Paketannahme für den Nachbarn, sofern nicht explizit vereinbart, ist eine Gefälligkeitshandlung, und man ist meist vor Rechtsfolgen gefeit. Dennoch sollte ich als Nachbar die Annahme verweigern, wenn das Paket sichtbar beschädigt oder deutlich eingerissen ist. Das erspart dem Empfänger ein lästiges Widerrufs- oder Schadensmeldungsverfahren. Haftbar ist der Nachbar in jedem Fall, wenn er fahrlässig handelt. Hierzu zählt, das Paket einfach im Hausflur oder in einer offenen Garage abzulegen. Gegebenenfalls kommt seine Haftpflichtversicherung dann für die Kosten auf. Beim Diebstahl des Pakets aus der Wohnung des Nachbarn würde dessen Hausratversicherung greifen.

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