Ziemlich beste Freunde: warum uns ein Hund so guttut

Der Hund gilt als bester Freund des Menschen. Er ist Beschützer, Helfer, Gefährte und noch vieles mehr. Ein Hund kann viele positive Einflüsse auf Ihr Leben haben.

Iris Deuber engagiert sich seit 2008 in einer Rettungshundestaffel. Die gemeinsame, sinnvolle Sucharbeit mit ihrer Magyar-Vizsla-Hündin Finja (Foto) weckte in ihr den Wunsch, noch mehr zu lernen und die Sprache der Hunde zu verstehen. Nach ihrer Hundetrainerausbildung bei Martin Rütter DOGS machte sie die Arbeit mit Menschen und Hunden zu ihrem Beruf. Sie leitet die Hundeschule Martin Rütter DOGS München/Freising und den Stützpunkt K-9® Suchhunde München-Nord. Zu Hündin Finja (14 Jahre) kamen zwei weitere Vizslas hinzu. Sie alle sind in der Rettungshundearbeit aktiv.

Der Hund als Gefährte des Menschen

Vor mehr als 15.000 Jahren hat der Mensch die positiven Eigenschaften des Wolfs erkannt und ihn gezähmt. Der Vierbeiner half ihm bei der Jagd, beschützte ihn und wurde zu seinem Gefährten. Im Verlauf der Domestikation „haben sich Hunde zu einem immer engeren Partner des Menschen entwickelt und sich optimal angepasst“, sagt Iris Deuber, Hundetrainerin und Leiterin der Hundeschule Martin Rütter DOGS München/Freising. Dabei stellen wir Menschen mittlerweile viele Ansprüche an unser Haustier: „Der Hund soll Freund und Begleiter sein, die Einsamkeit verringern und Grund für Ausflüge in die Natur und mehr Bewegung sein“, erklärt Iris Deuber. „Er ist Partner bei der Arbeit oder sportlichen Aktivitäten. Der Hund als sozialer Begleiter soll uns möglichst viel Freude schenken, kuschelig und souverän sein, der Arbeitshund muss entsprechende Fähigkeiten mitbringen.“ Ein ziemlich hohes Anforderungsprofil, das manche der Vierbeiner grandios erfüllen. Rund 10 Millionen Hundebesitzer in Deutschland können ja nicht irren ...

Die schnelle Frage zum Thema:

Haben Sie einen Hund?

Haben Sie einen Hund?

Fit und gesund mit Hund

Hundehalter müssen dem Bewegungsdrang und den Bedürfnissen ihres Vierbeiners gerecht werden. Das heißt, drei- bis viermal täglich mindestens 20 Minuten mit ihm Gassi gehen. Kein Wunder, dass Hundebesitzer weniger zu Übergewicht, hohem Blutdruck oder hohen Cholesterinwerten neigen und damit weniger anfällig für Herz-Kreislauf-Krankheiten sind. Studien haben ergeben, dass Hundehalter durch das regelmäßige Spazierengehen wesentlich häufiger die empfohlene Bewegungszeit von 150 Minuten pro Woche erreichen als Menschen ohne Hund. Das senkt das Risiko für Krankheiten wie Diabetes mellitus, Krebs oder chronische Bronchitis. Weitere positive Gesundheitsaspekte: Wer täglich mehrmals mit dem Hund bei Wind und Wetter draußen ist, aktiviert die eigenen Abwehrkräfte, pusht den Kreislauf und stärkt den Bewegungsapparat.

Tierischer Trainingspartner

Hundesport oder Sport mit Hund? Beides ist möglich und beides macht Spaß – sowohl dem Menschen als auch dem Vierbeiner. Bei den Hundesportarten Agility, Canicross und Dogdance kommt nicht nur Bello in Fahrt, auch Herrchen und Frauchen müssen sich bewegen. Bei Agility überwindet der Hund unter Anleitung seines Besitzers einen Hindernisparcours; das lässt sich auch wunderbar gemeinsam im Wald üben, zum Beispiel mit Baumstämmen zum Überspringen und Balancieren. Beim Canicross absolvieren Mensch und Hund gemeinsam einen Geländelauf. Beim Dogdance führen Mensch und Hund zusammen Tanzfiguren zu Musik aus. Übrigens: Dass Tanzen nicht nur den Körper, sondern auch die grauen Zellen fit hält, ist längst erwiesen. Mittlerweile sieht man in Parks oder im Wald immer häufiger Sportler, die sich beim Walken, Joggen oder Radeln von ihren tierischen Trainingspartnern begleiten lassen. Auch Wandern mit Hund wird immer beliebter. Oder haben Sie vielleicht Lust auf gemeinsames Yoga? Das heißt übrigens Doga (Dog Yoga) – und dafür gibt es sogar Kurse.

Ein Hund ist Seelentröster

Hunde sind treue, soziale Wesen, die ihren Menschen bedingungslos lieben. Das wirkt positiv auf die menschliche Psyche. Hunde machen glücklich, sagen ihre Besitzer. Wenn Sie Ihren vierbeinigen Liebling streicheln und mit ihm kuscheln, schüttet Ihr Körper Glückshormone aus, etwa das „Kuschelhormon“ Oxytocin. Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol dagegen werden gebremst. Ein Hund kann aber nicht nur Stress mindern, sondern auch die Stimmung seines Menschen erspüren. Dann leistet er ihm Gesellschaft und erweist sich als guter „Zuhörer“, indem er sein menschliches Gegenüber aufmerksam anblickt und dabei den Kopf schieflegt. Wenn Sie also Sorgen haben, dann reden Sie mit Ihrem Vierbeiner und kuscheln Sie mit ihm. Das ist Balsam für die Seele. Und wenn er Sie mit seinem lustigen Wesen und seinem unwiderstehlichen Hundeblick dann noch zum Lachen bringt, umso besser!

Der Hund – dein Therapeut und Helfer

Hunde sind wahre Supernasen dank ihrer bis zu 225 Millionen Riechzellen. Sie erschnüffeln aber nicht nur Drogen oder Sprengstoffe und spüren vermisste oder verschüttete Personen auf. Sie werden auch zunehmend im Bereich der medizinischen Diagnostik eingesetzt. Denn die Nasentiere können Krankheiten erschnüffeln, da diese den Stoffwechsel verändern und damit den Geruch von menschlichen Körpersekreten; darunter Malaria, Diabetes, bakterielle und virale Infektionen (sogar Corona). Auch verschiedene Krebstumore können sie aufgrund flüchtiger organischer Verbindungen in Stuhl-, Urin- und Atemproben erkennen. Entsprechend ausgebildet, warnen Hunde zum Beispiel Epilepsiepatienten, wenn ein Krampfanfall bevorsteht, und Typ-1-Diabetiker, wenn ihr Blutzuckerspiegel gefährlich abfällt. Als Therapie- und Assistenzhunde unterstützen sie psychisch oder physisch kranke Menschen.

Therapiehunde

Speziell ausgebildet, kommen sie bei tiergestützten medizinischen Behandlungen zum Einsatz. Sie leben bei Therapeuten und Pädagogen und unterstützen deren Patienten bei Depressionen, Angstzuständen, Entwicklungs- und Sprachstörungen, Krebs, Demenz, Alzheimer, Autismus und Gehörlosigkeit. Patienten mit ärztlichem Attest können bei ihrer Krankenkasse die volle Kostenübernahme für solche Sitzungen beantragen, die meisten Kassen übernehmen 100 Prozent.

Assistenzhunde

Sie leben bei Menschen mit körperlichen Einschränkungen oder Nervenkrankheiten, bei Diabetikern und Blinden.
Sie werden speziell für die jeweiligen Bedürfnisse ihres Halters ausgebildet. Assistenzhunde müssen im Notfall Hilfe holen, Gegenstände wie etwa das Diabetes-Notfallset oder Medikamente anreichen und kleine alltägliche Aufgaben übernehmen. Kosten für Blindenführhunde werden von den Krankenkassen meist übernommen, für andere Assistenzhunde müssen spezielle Anträge gestellt werden.

Ein Hund ist Familienmitglied

„Mama, Papa, ich möchte so gern einen Hund!“ Ein häufig ausgesprochener Kinderwunsch. Wenn Sie sich die Anschaffung eines Hundes genau überlegt haben (dazu mehr am Ende dieses Artikels), dann spricht nichts dagegen. Im Gegenteil. Das neue tierische Familienmitglied kann Ihren familiären Zusammenhalt stärken. Schon zu Beginn rücken Sie alle zusammen, wenn Sie in der Familienrunde die Auswahl des Hundes und die künftige Arbeitsteilung besprechen, ihn gemeinsam vom Züchter oder aus dem Tierheim abholen. Zu Hause übernimmt dann jeder Einzelne aus der Familie Verantwortung und Aufgaben für das neue Mitglied: Wer geht mit dem Hund Gassi? Wer füttert ihn? Wer erzieht ihn? Das ist gelebtes Teamwork. Als Belohnung für die menschliche Zuneigung und Zuwendung sorgt der Vierbeiner für Abwechslung, Spaß und Ausgleich in seiner neuen Familie.

Er wirkt positiv auf Kinder

Hunde tun vor allem Kindern gut. Der tierische Gefährte stärkt ihr Verantwortungsbewusstsein und motiviert sie mit seinem Bewegungsdrang zu kreativen Spielen. Er lockt sie vom Computer weg nach draußen an die frische Luft. Auf unruhige, nervöse Kinder kann er beruhigend wirken. Wenn sie von Geburt an mit dem Haustier aufwachsen, leiden Kinder weniger an Allergien und Asthma; chronisch kranke Kinder verkraften sogar ihre Behandlungen besser. Hunde stärken außerdem die Sozialkompetenz der Kinder: Sie sind besonders verantwortungsvoll, umgänglich und weniger aggressiv als Kinder ohne Hund. Eine interessante Wechselwirkung: Der Hund sozialisiert den Menschen ebenso, wie der Mensch den Hund sozialisiert hat. Und nicht zu vergessen die Erfolgserlebnisse, die Kinder mit ihm erleben: „Schaut mal: Marley kann jetzt Pfote geben.“

Sie haften für Ihren Hund

Als Hundehalter haften Sie für Schäden an Dritten, die Ihr Hund verursacht. Auch ohne eigenes Verschulden. Wichtig ist daher Schutz vor den finanziellen Folgen von Personen-, Sach- und Vermögensschäden.

Ein Hund ersetzt die Kontaktbörse

Mit einem Hund als treuem Gefährten fühlen sich alleinstehende Menschen, egal welchen Alters, nicht mehr einsam. Sie genießen seine bedingungslose Zuneigung, er strukturiert ihren Tag, leistet ihnen Gesellschaft und erweitert automatisch ihr soziales Umfeld. Sei es beim Spazierengehen, beim Hundetraining oder beim Tierarzt – sie kommen leichter mit anderen ins Gespräch. Hundebesitzer tauschen sich gerne über ihre Lieblinge aus, plaudern über deren Eigenarten und ihre eigenen Erfahrungen. Daraus entstehen vielleicht regelmäßige Trainings- oder Spielgruppen, man verabredet sich zu gemeinsamen Spaziergängen und Ausflügen. Kurz: Es entstehen neue Bekanntschaften, ja sogar Freundschaften. Da Hunde wie ein Magnet auf andere Menschen wirken, findet sich womöglich sogar der Partner fürs Leben – wie in Disneys „101 Dalmatiner“ …

Sie möchten einen Hund als Haustier? Überlegen Sie das genau …

Denn Hundehaltung erfordert ein hohes Maß an Verantwortungsgefühl. Die Entscheidung, einen Hund aufzunehmen, sollten Sie nicht leichtfertig treffen, rät Hundetrainerin Iris Deuber, denn Sie übernehmen die Verantwortung für ein Lebewesen. „Der Mensch entscheidet für den Hund, dass dieser sein Leben bei ihm verbringen muss, und damit ist der Mensch auch verpflichtet, ihm ein gutes und möglichst artgerechtes Leben zu bieten.“ Laut Iris Deuber gehört zu den wichtigsten Fragen, die Sie sich vorher stellen sollten:

  • Habe ich ausreichend Zeit für einen Hund?
  • Kann ich mir einen Hund finanziell leisten? (Hundesteuer, Versicherungen, Futter, Zubehör, Tierarzt …)
  • Was passiert mit dem Hund, wenn sich meine Lebenssituation verändert?

Hinzu kommen auch die aktuelle Wohnsituation (Hunde erlaubt? Ausreichend Platz?), Urlaubspläne (Reisen mit Hund oder Tierpension?) und die Frage, welche Rasse zu Ihnen passt und ob es ein Hund aus der Zucht oder dem Tierheim sein soll.

Tipps für die Auswahl

Ein Blick auf die offiziell genehmigten Hunderassen der FCI (Fédération Cynologique Internationale) ist hilfreich, so Iris Deuber. Sie sind unterteilt in verschiedene Gruppen mit entsprechend unterschiedlichen Aufgaben, Eigenschaften und Bedürfnissen. Wie wäre es mit einem Hund auf Probe? Bieten Sie sich den Nachbarn als Dogsitter an oder führen Sie einen Hund aus dem Tierheim zum Gassigehen aus – so erkennen Sie schnell, ob und mit welcher Art Hund Sie zurechtkommen.

Iris Deuber: „Neben der sorgfältigen Auswahl des Hundes in Bezug auf die Rasse/Rassemischung sowie die jeweiligen Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen sollte sich der Hundeinteressent über die Bedürfnisse des Hundes und die ersten Regelungen im Alltag informieren, damit Fehler und Probleme gar nicht erst entstehen können.“ Passen die Bedürfnisse des Hundes und die des Menschen zusammen, ist die Grundlage für eine harmonische Beziehung gegeben.

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