Wann darf man böllern? Regeln für Silvester

Für viele gehört ein Feuerwerk ganz selbstverständlich zu Silvester. Gibt es zum Gebrauch von Feuerwerkskörpern zum Jahreswechsel allgemeine Regelungen? Wir beantworten, ab wann man böllern darf, und andere wichtige Fragen zum Silvesterfeuerwerk.

1) Ab wann werden dieses Jahr Feuerwerkskörper verkauft?

Typische Silvesterböller wie Knallfrösche, China-Böller und Feuerwerksraketen fallen unter die Feuerwerks-Kategorie 2, seit Mitte 2017 abgekürzt F2, und werden grundsätzlich vom 29. bis 31. Dezember verkauft. Dies aber nur an Volljährige. Fällt der 29. Dezember, wie dieses Jahr, auf einen Freitag, Samstag oder Sonntag, beginnt der Verkauf bereits am 28. Dezember. Neben den klassischen Silvester-Feuerwerkskörpern gibt es auch sogenannte Kleinstfeuerwerke (Kategorie 1), zum Beispiel Wunderkerzen oder Knallerbsen. Produkte aus dieser Klasse von Feuerwerken dürfen das ganze Jahr über an Erwachsene und Jugendliche ab zwölf Jahren verkauft werden.

2) Ab wann darf man böllern?

Laut 1. Verordnung zum Sprengstoffgesetz (1. SprengV) dürfen Volljährige am 31. Dezember und 1. Januar jeweils ganztägig Feuerwerke abbrennen. Wichtig ist, dass dabei die geltenden Vorschriften und Verbote, zum Beispiel in Sachen Lärm- und Denkmalschutz (siehe auch Frage 4), beachtet werden. Städte und Gemeinden haben zudem das Recht, das Zünden von Feuerwerkskörpern mit ausschließlicher Knallwirkung (Kanonenschläge etc.) in dicht besiedelten Gebieten auch an diesen Tagen zeitlich und räumlich einzuschränken. So darf in Hamburg und Berlin am Silvestertag erst ab 18 Uhr geknallt werden. Ebenso können die Gemeinden auch das Abbrennen von Feuerwerk in der Nähe besonders brandempfindlicher Gebäude untersagen. Mehr dazu unter Frage 4.

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3) Bis wann darf man böllern?

Die grundsätzliche Regelung findet sich in der 1. Verordnung zum Sprengstoffgesetz (siehe Frage 2). Demnach dürfen Sie bis zum 1. Januar um 24 Uhr Knallkörper abfeuern. Viele Gemeinden schränken dieses Recht jedoch deutlich ein. In Berlin ist das Zünden von Silvesterfeuerwerk der Klasse 2 nur bis 1. Januar um 7 Uhr erlaubt. In Hamburg ist bereits in der Silvesternacht um 1 Uhr Schluss. Außerhalb dieser Zeiten drohen Bußgelder. Informieren Sie sich bei Ihrer Gemeinde, welche Vorschriften dort gelten.

Ab wann darf man böllern?

4) Wo darf nicht geknallt werden?

Nach der 1. SprengV ist es auch an Silvester untersagt, Feuerwerkskörper im näheren Umkreis von Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen und Kirchen sowie besonders brandgefährdeten Gebäuden wie etwa Reetdach- und Fachwerkhäusern zu zünden. Zudem gibt es örtliche Regelungen, die auch zu Silvester private Pyrotechnik verbieten. Dies gilt besonders in Innenstadt und Altstadt dicht besiedelter Gebiete und auch außerhalb davon in der Nähe besonders brandgefährdeter Gebäude oder Anlagen. Hier eine Übersicht der regionalen Verbote:

  • Nordsee-Inseln. Auf Amrum, Föhr und Sylt ist das Abfeuern von Raketen und Knallkörpern weitgehend verboten. Ausnahmen gibt es am Hörnumer Hafen auf Sylt und auf Föhr an Stränden und Deichen mit 200 Meter Abstand zu Gebäuden.
  • Ostseeküste. Hier gibt es zahlreiche örtliche Einschränkungen für die Umgebung von Reetdach-Häusern.
  • Innenstädte. Das Zünden von Silvesterfeuerwerk ist zum Beispiel in folgenden Stadtkernen teilweise oder komplett untersagt: Berlin (Partymeile am Brandenburger Tor, nördlicher Teil des Alexanderplatzes und an der Pallasstraße in Schöneberg), Bremen (Marktplatz), Dortmund, Düsseldorf (hier ist selbst das bloße Mitführen verboten), Frankfurt/Main, Hannover, Köln, München, Würzburg.
  • Historische Altstädte. Der Schutz denkmalgeschützter Gebäude hat unter anderem in folgenden Ortszentren Vorrang vor Silvesterfeuerwerken: Bamberg, Celle, Göttingen, Goslar, Hameln, Osterode am Harz, Quedlinburg, Straubing, Tübingen, Wolfenbüttel.
  • Historische Gebäude. Auch hier gelten häufig Einschränkungen. Beispiele: das Nymphenburger Schloss in München, die Burg in Nürnberg.

5) Welche Feinstaubbelastung verursacht ein Silvesterfeuerwerk?

Neben Lärmbelastung und Gefahr von Verletzungen rückt in der Silvesternacht ein neuer Aspekt vermehrt in den Fokus: die Feinstaubbelastung. Laut Deutschem Umweltbundesamt ist die Konzentration am ersten Tag des neuen Jahres vielerorts extrem hoch. In Berlin-Friedrichshain wurden am 1. Januar 2019 um 1 Uhr morgens 853 Mikrogramm Feinstaub der Partikelgröße PM10 pro Kubikmeter gemessen. Dies war der höchste in Deutschland gemessene Wert zum letzten Jahreswechsel. Der Grenzwert für das Tagesmittel beträgt 50 Mikrogramm pro Kubikmeter. Das Umweltbundesamt schätzt, dass etwa 15,5 Prozent der Feinstaubmenge, die jährlich im Straßenverkehr abgeben wird, zu Silvester freigesetzt werden. Daher versucht die Deutsche Umwelthilfe seit Sommer 2019, in vielen besonders betroffenen Städten ein „Böllerverbot“ durchzusetzen. Zu den Orten zählen unter anderem die Millionenstädte Berlin, Hamburg, München und Köln.

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6) Worauf sollten Feuerwerksfans beim Kauf besonders achten?

Das Angebot an Silvesterkrachern, -böllern und -raketen wird immer vielfältiger und ausgefallener. Doch Vorsicht: Der Umgang mit Feuerwerkskörpern kann gefährlich sein. Deshalb sollten Sie nicht am falschen Ende sparen und lieber auf hochwertige Ware setzen, die von einer dazu ermächtigten Stelle wie der Bundesanstalt für Materialforschung (BAM) geprüft und zugelassen wurde. Erkennbar ist dies an der Registriernummer und der CE-Kennzeichnung. Ein Beispiel für eine Registriernummer ist: „0589–F2–1234“. 0589 bedeutet, dass die Bundesanstalt für Materialforschung diesen Feuerwerkskörper geprüft hat. F2 ist die Feuerwerkskategorie und 1234 eine fortlaufende Nummer. Die Buchstabenfolge „BAM“ kommt nicht mehr vor. Die CE-Kennzeichnung besteht aus den Buchstaben „CE“ und wieder dem vierstelligen Code für die Prüfstelle. Alle Feuerwerkskörper müssen mit Firmennamen und Adresse des Herstellers versehen sein. Laut Urteil des Europäischen Gerichtshofes von 2016 müssen Feuerwerkskörper, die bereits im EU-Ausland durch eine offizielle Prüfstelle genehmigt worden sind, in Deutschland nicht mehr zusätzlich durch die BAM geprüft werden. In einem anderen EU-Land geprüfte Böller weisen ebenfalls die Registriernummer mit dem Code der jeweiligen Prüfstelle auf. Feuerwerkskörper mit hohem Blitzsatzanteil (sogenannte „Polenböller“) sind illegal und verboten. Bei Zuwiderhandlung droht ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro oder sogar eine Freiheitsstrafe.

Böllern an Silvester

7) Welche Versicherung zahlt, wenn Silvesterböller etwas beschädigen?

Verirrt sich ein Silvesterkracher bei Ihnen in der Wohnung, beispielsweise durch ein offenes Fenster oder die Balkontür, und richtet dabei Schäden an der Einrichtung an, ist das ein Fall für die Hausratversicherung. Sie zahlt bei Schäden, die durch einen Brand oder durch Löschwasser entstehen können. Tipp: Achten Sie darauf, dass die Fenster und Türen geschlossen sind.

Werden solche Schäden an Ihrem Haus, dem Dach oder dem Briefkasten verursacht, ist die Wohngebäudeversicherung zuständig. Und bei beschädigten Fenstern, Wintergärten oder Sonnenkollektoren übernimmt die Glasversicherung die Kosten der Reparatur. Ist einer Ihrer Gäste für die verirrte Rakete verantwortlich, muss dessen Privat-Haftpflichtversicherung die Kosten übernehmen. Häufig werden auch Autos Opfer der Feuerwerkskörper. Gerät das Fahrzeug durch Feuerwerkskörper in Brand, zahlt die Teilkaskoversicherung. Dies gilt jedoch nicht bei Vandalismus, also absichtlich verursachten Schäden. In diesem Fall zahlt allenfalls die Vollkaskoversicherung. Ebenso bei einer durch eine herabfallende Rakete verursachten Delle im Blech. Wer eine Garage hat, sollte daher das Auto dort in Sicherheit bringen.

8) Woher kommt die Silvesterknallertradition?

Der 31. Dezember ist seit 1582, dem Jahr der Gregorianischen Kalenderreform, der letzte Tag des Jahres – und zugleich der Todestag von Papst Silvester I., der im Jahr 335 starb. Daher die Bezeichnung „Silvester“. Das Feuerwerk hat seinen Ursprung im vorchristlichen germanischen Glauben. Einst wurde in der längsten und dunkelsten Nacht des Jahres ein Höllenlärm verursacht, um böse Geister zu vertreiben.

9) Wie viel Geld wird um die Jahreswende in Deutschland „verböllert“?

Im Jahr 2018 wurden etwa 133 Millionen Euro im Bundesgebiet zu Silvester in die Luft gejagt. Zur Jahreswende 2019/20 rechnet der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) mit ähnlichen Zahlen. Zunehmender Beliebtheit erfreuen sich dabei sogenannte Batterie- oder Verbundfeuerwerke. Diese müssen nur einmal angezündet werden und feuern dann unterschiedliche Sound- und Lichteffekte ab.

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