Motorrad gebraucht kaufen: Tipps von Jens Kuck

Der Motorrad-Profi und Grip-Moderator Jens Kuck verrät im Interview, worauf Sie beim Kauf eines gebrauchten Motorrads achten sollten.

Jens Kuck, Moderator „GRIP – Das Motormagazin“

Jens Kuck
Jens Kuck, 44, ist seit 2008 bei „GRIP – Das Motormagazin“ on Air. Der ausgebildete Maschinenbau- und Zweiradmechaniker baut eigene Motorräder. Gleich in seiner ersten Straßenrenn-Saison wurde er „Rookie of the Year“. Danach fuhr Kuck in verschiedenen Rennklassen und holte sich im EURO Cup den Gesamtsieg. 

Die warme Jahreszeit weckt Sehnsüchte bei Motorradfahrern in ganz Deutschland. Sie freuen sich auf die Beschleunigung, Freiheitsgefühle und schöne Touren. Mit einem neuen Motorrad wird dieses Erlebnis oft noch schöner – wobei es in Deutschland vor allem neue Gebrauchte sind.

2017 gab es fast eine halbe Millionen Halterwechsel bei motorisierten Zweirädern – deutlich mehr als bei den Neuzulassungen. Das hat gute Gründe. Auf dem Gebrauchtmarkt gibt es oft kostengünstige und gute Motorrad-Modelle. Damit beim ersten Ausflug mit dem Neuerwerb alles glattgeht, sollten Käufer im Vorfeld einige Dinge beachten. Wir haben uns dazu mit dem Motorradprofi Jens Kuck unterhalten, der seine besten Tipps und Tricks preisgibt.

Herr Kuck, wie kamen Sie zum Motorradsport?

Jens Kuck: Infiziert wurde ich schon als Kind. Da konnte ich „Motorrad“ noch gar nicht richtig aussprechen. Schon immer habe ich begeistert Rennen verfolgt, und so mit 16 Jahren – während meiner Rollerzeit – habe ich zu meinen Kumpels gesagt, ich werde irgendwann in der Superbike-Rennklasse fahren. Die haben mir einen Vogel gezeigt. Doch ich habe mein Ziel im Auge behalten und weiterverfolgt. Glück gehabt, gemacht. (lacht)

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Können Sie abschätzen, wie viele Motorräder Sie seitdem gebraucht gekauft haben?

Das waren bis jetzt über 100.

Gab es dabei schon mal Reinfälle?

Nein, eigentlich nicht, weil ich schon ganz früh angefangen habe zu schrauben und genau aufgepasst habe, was ich mir gekauft habe.

Sie handeln selbst mit Motorrädern: Worin liegen die Vorteile, wenn man beim Händler kauft?

Wenn man beim Händler kauft, hat man die Händlergewährleistung. Beim Händler kann man reklamieren, falls mal eine Kleinigkeit ist. Wenn es ein aktiver Händler ist, der darauf achtet, seine Kundschaft zufriedenzustellen, ist man da behüteter.

Würden Sie also generell dazu raten, Motorräder nur vom Händler zu kaufen?

Je nachdem. Wenn man technisch nicht versiert ist, würde ich dazu raten, beim Händler zu kaufen. Einfach aus dem Grund, weil man ziemlich sicher sein kann, dass alles passt. Und falls nicht, hat es der Käufer speziell im ersten halben Jahr nach dem Kauf etwas leichter, einen Mangel zu reklamieren: Denn in diesem Zeitraum geht der Gesetzgeber davon aus, dass ein Mangel schon bei der Übergabe bestand. Wenn man von privat kauft, kann einem als Nichtversiertem auch mal was aufgeschwatzt werden. Das ist ein ganz großes, schwieriges Thema bei Motocross-Motorrädern.

Gebrauchtmotorrad vom Händler

Haben Sie beim Kauf von privat auch schon gute Erfahrungen gemacht?

Ja. Es gibt ja nicht nur schwarze Schafe. Sicher habe ich auch positive Erfahrungen gemacht. Man sollte sich aber nicht zu sehr darauf verlassen.

Welche Vorteile bietet ein Kauf von privat?

Die richtigen Schnapper holt man natürlich von privat, weil ein Händler auch immer etwas am Verkauf verdienen muss. Das muss man auch sehen oder akzeptieren. Wenn nicht, dann hat der Händler keine Chance zu überleben – und dann hat man auch keinen Experten mehr, zu dem man hingehen kann. Aufpassen beim Kauf von privat: Hier ist oft die Sachmängelhaftung vertraglich ausgeschlossen!

Welche Tipps sollte man beim Kauf eines gebrauchten Motorrads grundsätzlich beachten?

Das Erste sollte der Blick auf die Historie sein. Ein Motorrad sollte eine Historie haben, die man wirklich versteht oder nachempfinden kann. Und dann sollte man durchaus auch den Verkäufer fragen, wieso es verkauft wird und was der Hintergrund für den Verkauf ist. Ist das alles schlüssig? Damit das Gefühl gut ist, dass man den Kauf mit dem reinen Menschenverstand schon mal abnicken kann. Als Nächstes sollte eine Probefahrt gemacht werden. Würde ein Verkäufer eine Probefahrt verweigern, wäre das in meinen Augen schon ein Zeichen, dass er was verheimlichen will. Eine Probefahrt ist ein Muss!

Verkehrsrechtsschutz für Motorräder

Damit Sie wirksam bei rechtlichen Auseinandersetzungen rund um Motorradnutzung, -kauf und Verkehr geschützt sind, ist der Verkehrsrechtsschutz bzw. der D.A.S. Rechtsschutz mit dem Lebensbereich Verkehr unerlässlich. Niemand möchte streiten. Doch manchmal gibt es Situationen – z. B.  beim Motoradkauf oder nach einer Reparatur –, in denen Sie um Ihr gutes Recht kämpfen müssen.

Wie sieht Ihre persönliche Checkliste aus, wenn Sie sich für ein Gebrauchtmotorrad interessieren?

Im Endeffekt ist für mich am wichtigsten: Kann man den Kilometerstand nachvollziehen? Und: Ist das Fahrzeug unfallfrei? Dazu einfach die Teile prüfen, die Bodenkontakt hätten haben können – beim Umkippen oder beim Sturz. Es gibt viele Gebrauchtmotorräder, die zumindest mal umgekippt sind. Ganz makellose Motorräder kriegt man selten. Dann muss man nachvollziehen können: Ist es wirklich nur umgekippt oder war es aus der Fahrt heraus, ein Sturzschaden? Umfall- und unfallfrei, das ist ein ganz wichtiger Punkt, den es beim Motorrad zu beachten gilt.

Bis wie viel Kilometer Laufleistung kann man gebrauchte Motorräder relativ bedenkenlos kaufen?

Da muss man nach der Zylinderzahl gehen: Ist es ein Einzylinder-Motorrad, würde ich sagen, dass 15.000 bis 20.000 Kilometer bedenkenlos möglich sind. Man will ja selbst noch was drauffahren. Und bei den Mehrzylindrigen, Parallel-Twin, V-Motoren, Vierzylinder- oder gar Dreizylinder-Motoren wären es 30.000 Kilometer. 50.000 Kilometer können hier auch noch in Ordnung sein. Es muss, wie gesagt, nachvollziehbar sein. Es gibt natürlich viele Sportmotorräder, die auch auf der Rennstrecke eingesetzt werden können. Da muss man speziell aufpassen, ob der Kilometerstand stimmt. Hier sollte man besonders auf Sturzschäden achten. Die Laufleistung würde ich bei Sportmotorrädern eher senken, auf etwa 20.000 Kilometer. Weit mehr als 20.000 Kilometer sollte ein Motorrad nicht draufhaben, das regelmäßig auf der Rennstrecke gefahren wurde.

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Reicht beim Kauf von privat ein Handschlag oder sollte man einen ordnungsgemäßen Kaufvertrag verwenden?

Es sollte immer ein schriftlicher Kaufvertrag verwendet werden, egal ob unter Freunden oder von Fremden. Da schreibt man rein, was man sieht. Und wer schreibt, der bleibt. Dann ist für alle klar definiert, um was es sich beim Kaufgegenstand handelt. Also immer Kaufvertrag!

Wenn man sich entschieden hat, muss das Motorrad umgemeldet werden. Gibt es dabei etwas zu beachten?

Du brauchst für die Ummeldung die Zulassungsbescheinigungen I und II und eine KfZ-Haftpflichtversicherung. Als Nachweis dient hier die sogenannte eVB-Nummer, das ist sozusagen eine elektronische Versicherungsbestätigung. Die erhält man von seiner Versicherung. Des Weiteren braucht man für die Ummeldung Personalausweis oder Reisepass, das noch vorhandene Kennzeichen, einen Nachweis über eine gültige Hauptuntersuchung (HU) sowie einen aktuellen Prüfbefund zu Abgas- und Funktionstests. Sobald ein Motorrad umgemeldet ist, erlischt dann automatisch die Versicherungs- und Steuerpflicht des Vorbesitzers. In der Regel verlangt die Zulassungsstelle eine Einverständniserklärung zum Lastschrift-Einzug der KfZ-Steuer.

Sonst gibt es eigentlich nichts zu beachten. Sollten noch Eintragungen erfolgen, wie zum Beispiel eine Drosselung auf A2, also eine Reduzierung der Leistung, dann sollte das vielleicht noch im Vorfeld eingetragen werden. Bei der Ummeldung gibt es dann die Zulassungsbescheinigung I (früher Fahrzeugschein).

Auf welches Ihrer gebraucht gekauften Motorräder freuen Sie sich diese Saison am meisten?

Am meisten freue ich mich auf meine alte Yamaha SR 500, die wirklich nur bei ganz schönem Wetter zum Einsatz kommt.

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