Wildunfall – was tun?

Ungefähr 720-mal am Tag stoßen in Deutschland Autos mit Wildtieren zusammen. Wo lauern die größten Gefahren? Und wie reagiert man richtig, wenn es passiert ist? Niki Schelle von GRIP – Das Motormagazin beantwortet im Interview mit ERGOimpulse die wichtigsten Fragen zum Thema.

Wenn die Tage kürzer werden, beginnt auf Deutschlands Straßen die Hochsaison der Wildunfälle. Im Herbst steigt die Zahl deutlich, vor allem in den frühen Morgenstunden und in der Abenddämmerung. Erst nach den Wintermonaten geht sie wieder zurück. Die Versicherungen registrierten 2016 insgesamt 264.000 Pkw-Unfälle mit Rehen, Wildschweinen und anderen Wildtieren. Statistisch gesehen gibt es also fast alle zwei Minuten einen Wildunfall, so der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Da einige Kraftfahrzeughalter über keine Kaskoversicherung verfügen, sind deren Unfälle in diesen Zahlen nicht enthalten. In 2016 wurden 2.396 Unfälle mit Personenschaden gezählt.

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Niki Schelle, Moderator der Sendung GRIP – Das Motormagazin, erklärt, worauf man nach einem Wildunfall achten sollte.

Wildwechselschilder markieren zwar die bekannten Wege von Rotwild und Co. Doch viele Autofahrer unterschätzen die Gefahr und ignorieren die Warnungen. In bewaldeten Gebieten sollte die Regel stets lauten: Fuß vom Gas! Und das auch bei gutem Wetter! Die Geschwindigkeit des Pkw ist der entscheidende Faktor für den Schaden, der bei einem Wildunfall entsteht. Und das an Mensch, Tier und Auto. Ein Reh, das nur 20 Kilogramm wiegt, hat schon bei einer Aufprallgeschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde eine Wirkung von 500 Kilogramm. Ein Wildschwein prallt bei 60 Stundenkilometern mit rund 3,5 Tonnen auf das Auto.

Niki Schelle von GRIP – Das Motormagazin warnt: „Im Herbst muss man als Autofahrer einfach mit Wildwechsel rechnen – besonders in der Morgen- oder Abenddämmerung! Deshalb ist es in dieser Zeit besonders wichtig, vorsichtig und vorausschauend zu fahren!“

Autofahrer wissen oft zu wenig über Wildwechsel und das richtige Verhalten bei drohender Kollision. Auch der Schock, plötzlich ein Tier auf der Fahrbahn zu sehen, führt häufig zu vermeidbaren Fehlern. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

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Wildunfall vermeiden

1. Worauf müssen Fahrer achten?

Ab Ende September sollte man besonders vorausschauend fahren: Die Sicht ist durch die früher einsetzende Dunkelheit eingeschränkt und viele Tiere begeben sich auf die Suche nach einem Winterquartier. Ein besonderes Risiko birgt auch die Phase der Zeitumstellung Ende März: Dann liegt der morgendliche Berufsverkehr wieder in der Dämmerungsphase, in der das Wild aktiver ist als bei Tageslicht. Fahrer sind oft aufgrund der Zeitverschiebung weniger konzentriert. Im April sind Wildtiere wieder verstärkt auf Futtersuche.

Warnschild Wildwechsel

2. Wildunfälle: Wo lauert die Gefahr?

Wildunfälle können prinzipiell überall passieren. Die bekannten Pfade der Tiere sind oft mit Wildwechselschildern versehen. Darüber hinaus ist Vorsicht geboten auf Straßen, die durch Waldgebiete führen, an Waldgrenzen und an Feldrändern. Besonders aktiv sind Wildtiere während der Morgen- und Abenddämmerung sowie nachts, wenn sie sich sicher fühlen. Auch zur Paarungszeit, die je nach Tierart in unterschiedliche Monate fällt, bewegt sich Wild mehr als gewöhnlich.

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Hupen bei Wildwechsel

3. Wie verhalte ich mich richtig?

Plötzlich steht ein Tier auf der Fahrbahn! Was jetzt?
Niki Schelle: „Als Allererstes sollte man das Fernlicht ausschalten, dann bremsen und hupen. Somit hat das Reh Zeit, einen Fluchtweg zu finden. Auf jeden Fall niemals in den Gegenverkehr lenken! Sonst riskiert man einen Aufprall mit einem anderen Verkehrsteilnehmer oder donnert gar gegen einen Baum!“
Wichtig: Laut Rechtsprechung ist es nicht verhältnismäßig, für sogenanntes Niederwild (Hasen, Katzen und andere Kleintiere) eine Vollbremsung auszuführen. Zudem besteht hier die Gefahr, dass es dabei zu einem Auffahrunfall mit einem Fahrzeug hinter Ihnen kommen kann.

Richtiges Verhalten nach Wildunfall

4. Und wenn es doch zu einem Wildunfall kommt?

Nach einem Wildunfall zuallererst die Unfallstelle absichern, die Warnweste anziehen und dann die Notrufnummer 110 wählen. Totes Tier an den Rand schaffen, um weitere Unfälle zu verhindern. Achtung, Tollwutgefahr! Nach Möglichkeit das Tier nicht mit bloßen Händen berühren.  Auf keinen Fall darf ein Tier mitgenommen werden. Auch nicht, um es zu einem Tierarzt zu bringen: Dies erfüllt den Tatbestand der Wilderei!

Gut zu wissen!

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Haarwild (Fuchs)

5. Welche Tiere zählen zum Haarwild?

Nicht bei allen Versicherern ist, wie bei ERGO der Zusammenstoß mit allen Tieren versichert. Im Schadensfall kann es entscheidend sein, von welcher Tierart der Unfall verursacht wurde. Dabei fällt immer wieder der Begriff Haarwild. Die Jägersprache unterscheidet Haar- und Federwild (Wildvögel wie Fasane und Stockenten). Zum Haarwild zählen zum Beispiel Rot-, Dam- und Rehwild (wie Rehe und Hirsche), Schwarzwild (etwa Wildschweine), Füchse, Wisente, Fischotter und Seehunde. Eine umfassende Aufzählung finden Sie in § 2 Abs. 1 Nr. 1 des Bundesjagdgesetzes.

Wildunfallbescheinigung

6. Was ist eine Wildunfallbescheinigung?

Das Formular ähnelt einem Unfallbericht und enthält genaue Angaben zum Unfall samt Skizze, zur Art des Wildtiers und zum entstandenen Schaden. Sie müssen es nicht mitführen. Sie dürften die Bescheinigung im Schadensfall ohnehin nicht allein ausfüllen. Sie muss vom Fahrer des Wagens gemeinsam mit dem Revierförster/Jäger, dessen Vertreter oder der Polizei ausgefüllt und unterzeichnet werden. Jagdausübungsberechtigter und Polizei haben die Bescheinigungsformulare in aller Regel dabei.

Wildunfall melden

7. Wildunfall melden

Wie immer gilt: Melden Sie den Schaden so schnell wie möglich.
Niki Schelle: „Man sollte sofort die Polizei rufen! Für die Versicherung brauche ich eine Wildschadensbescheinigung. Diese bekomme ich vom zuständigen Jagdpächter oder vom Förster. Dieser wird von der Polizei kontaktiert und kümmert sich um tote oder verletzte Tier. Wichtig: Man sollte das Ganze auf jeden Fall dokumentieren, also Bilder von den Wildspuren am Auto machen. Das ist wichtig für die Versicherung!“

Man kann den Schaden auch online melden. Dies geht schnell und unkompliziert. Außerdem können Sie den Bearbeitungsstand genau nachverfolgen. Die erhaltene Wildunfallbescheinigung legen Sie bei Meldung des Wildunfalls an Ihren Versicherer als Nachweis über die Schäden vor.

Um den Schaden regulieren zu lassen, benötigen Sie mindestens eine Teilkaskoversicherung.

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