Wildunfall – was tun?

Rund 800-mal am Tag stoßen in Deutschland Autos mit Wildtieren zusammen. Wo lauern die größten Gefahren? Und was ist bei einem Wildunfall zu tun? Niki Schelle von „GRIP – Das Motormagazin“ beantwortet im Video die wichtigsten Fragen zum Thema.

Wildschaden: Ab Herbst ist Hochsaison

Wenn die Tage kürzer werden, beginnt auf Deutschlands Straßen die Hochsaison der Wildunfälle. Im Frühjahr und ab Herbst steigt die Zahl deutlich, vor allem in der Dämmerung in den frühen Morgenstunden und am Abend.

Die Versicherungen registrierten 2019 insgesamt 295.000 Pkw-Unfälle mit Rehen, Wildschweinen und anderen Wildtieren – ein Rekordhoch, so der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Da einige Kraftfahrzeughalter über keine Kaskoversicherung verfügen, sind deren Unfälle in diesen Zahlen nicht enthalten.

Laut dem Deutschen Jagdverband (DJV) kommen jährlich bis zu 20 Verkehrsteilnehmer durch Wildunfälle zu Tode, etwa 2.500 Personen werden verletzt. Die meisten Zusammenstöße gibt es mit Rehen und mit Wildschweinen, so der DJV.

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Niki Schelle, Moderator der Sendung "GRIP – Das Motormagazin", erklärt, worauf man nach einem Wildunfall achten sollte.

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Warnschilder beachten und bremsbereit sein

Wildwechselschilder markieren zwar die bekannten Wege von Rotwild und anderen Wildtieren. Doch viele Autofahrer unterschätzen die Gefahr und ignorieren die Warnschilder. In bewaldeten Gebieten sollte die Regel stets lauten: Fuß vom Gas nehmen und bremsbereit sein – und das bei jedem Wetter!

Die Geschwindigkeit des Pkw ist der entscheidende Faktor für den Schaden, der bei einem Wildunfall an Tier, Auto und Mensch entsteht. Ein Reh, das nur 20 Kilogramm wiegt, hat bei einer Aufprallgeschwindigkeit von 50 Kilometer pro Stunde schon eine Wirkung von 500 Kilogramm. Ein Wildschwein prallt bei 60 Stundenkilometern mit rund 3,5 Tonnen auf das Auto. Und nicht vergessen: Auch wenn Sie ausweichen wollen, kann das schwerwiegende Folgen haben.

Widrige Straßenverhältnisse = längerer Bremsweg

Niki Schelle von „GRIP – Das Motormagazin warnt“: „Im Herbst muss man als Autofahrer einfach mit Wildwechsel rechnen – besonders in der Morgen- oder Abenddämmerung. Deshalb ist es in dieser Zeit besonders wichtig, vorsichtig und vorausschauend zu fahren.“ Zu berücksichtigen sind im Herbst auch widrige Straßenverhältnisse wie Regen und schlechte Sicht, die zu einem längeren Bremsweg führen.

Autofahrer wissen oft zu wenig über Wildwechsel und das richtige Verhalten bei drohender Kollision. Auch der Schock, plötzlich ein Tier auf der Fahrbahn zu sehen, führt häufig zu vermeidbaren Fehlern. Hier finden Sie die wichtigsten Antworten auf die Frage: Wildunfall – was tun?

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Wildunfall vermeiden

Worauf müssen Fahrer achten?

Ab Ende September sollten Sie besonders vorausschauend fahren: Die Sicht ist durch die früher einsetzende Dunkelheit eingeschränkt, und viele Tiere begeben sich auf die Suche nach einem Winterquartier. Haben Sie ein Warnschild passiert, das auf Wildwechsel hinweist, sollten Sie bremsbereit sein.

Ein besonderes Risiko für Wildunfälle birgt auch die Phase der Zeitumstellung Ende März: Dann liegt der morgendliche Berufsverkehr in der Dämmerungsphase, in der das Wild aktiver ist als bei Tageslicht. Fahrer sind oft aufgrund der Zeitverschiebung weniger konzentriert. Im April sind Wildtiere verstärkt auf Futtersuche.

Warnschild Wildwechsel

Wildunfälle: Wo lauert die Gefahr?

Wildunfälle können prinzipiell überall passieren. Die bekannten Pfade der Tiere sind oft mit Wildwechselschildern versehen. Darüber hinaus zählen zu potenziellen Gefahrenstellen Waldgrenzen, Feldränder und Straßen, die durch Waldgebiete führen.

Besonders aktiv sind Wildtiere während der Morgen- und Abenddämmerung sowie nachts, wenn sie sich sicher fühlen. Auch zur Paarungszeit, die je nach Tierart in unterschiedliche Monate fällt, bewegt sich Wild mehr als gewöhnlich.

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Hupen bei Wildwechsel

Wie verhalte ich mich richtig, wenn Wild auftaucht?

Plötzlich steht ein Tier am Straßenrand oder auf der Fahrbahn! Was jetzt?

Schelle: „Als Allererstes sollte man das Fernlicht ausschalten, dann bremsen und hupen. Somit hat das Reh Zeit, einen Fluchtweg zu finden.“

Von Ausweichmanövern rät Schelle ab: „Auf jeden Fall niemals in den Gegenverkehr lenken! Sonst riskiert man einen Aufprall mit einem anderen Verkehrsteilnehmer oder donnert gar gegen einen Baum!“

Ist das Tier nach Abblenden, Hupen und Bremsen verscheucht, sollten Sie dennoch weiter bremsbereit sein. Am Straßenrand könnten noch weitere Wildtiere auftauchen, die dem ersten Tier folgen.

Wichtig: Laut Rechtsprechung ist es nicht verhältnismäßig, für sogenanntes Niederwild (Hasen, Katzen und andere Kleintiere) eine Vollbremsung auszuführen. Denn dabei besteht die Gefahr, dass es zu einem Auffahrunfall mit einem Fahrzeug hinter Ihnen kommt.

Richtiges Verhalten nach Wildunfall

Wildunfall – was tun, wenn es doch passiert?

Nach einem Wildunfall müssen Sie zunächst die Unfallstelle mit einem Warndreieck absichern, die Warnweste anziehen und dann die Notrufnummer 110 wählen. Schaffen Sie das tote Tier an den Straßenrand, um weitere Unfälle zu verhindern.

Aufgrund einer möglichen Tollwutgefahr oder der Übertragung anderer Krankheiten sollten Sie das Tier nicht mit bloßen Händen berühren. Noch lebende, verletzte Tiere sollten besser nicht angefasst werden, weil sie sich wehren könnten. Auf keinen Fall dürfen Sie bei einem Wildschaden das Tier mitnehmen, auch nicht, um es zu einem Tierarzt zu bringen: Dies erfüllt den Tatbestand der Wilderei.

Fahren Sie nach einem Wildunfall einfach weiter, begehen Sie zwar keine Unfallflucht. Aber Sie verstoßen mitunter gegen das Tierschutzgesetz, wenn das angefahrene Tier schwer leidet, Sie als Fahrer jedoch nichts unternehmen.

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Wildunfall melden

Wildunfall melden

Wie immer gilt: Melden Sie den Schaden so schnell wie möglich. Das gilt auch, wenn sich das Tier vom Unfallort entfernt.

Niki Schelle: „Man sollte sofort die Polizei rufen! Für die Versicherung brauche ich eine Wildunfallbescheinigung. Diese bekomme ich vom zuständigen Jagdpächter oder vom Förster. Dieser wird von der Polizei kontaktiert und kümmert sich um das tote oder verletzte Tier. Wichtig: Man sollte das Ganze auf jeden Fall dokumentieren, also Bilder von den Wildspuren am Auto machen. Das ist wichtig für die Versicherung!“

Sie können bei vielen Versicherern den Schaden des Wildunfalls schnell und unkompliziert auch online melden. Durch die Online-Meldung können Sie den Bearbeitungsstand in der Regel genau nachverfolgen.

Die erhaltene Wildunfallbescheinigung legen Sie bei Meldung des Wildunfalls an Ihren Versicherer als Nachweis über die Schäden vor. Für die Schadenregulierung benötigen Sie mindestens eine Teilkaskoversicherung.

Wildunfallbescheinigung

Was ist eine Wildunfallbescheinigung?

Eine Wildunfallbescheinigung ähnelt einem Unfallbericht und enthält genaue Angaben zum Wildunfall samt Skizze zur Art des Tiers und zum entstandenen Wildschaden.

Die Bescheinigung stellt der Revierförster bzw. der Jäger oder die Polizei aus und sie wird auch vom Fahrer des Wagens unterzeichnet. Jagdausübungsberechtigter und Polizei haben die Bescheinigungsformulare in aller Regel dabei, Sie brauchen sie als Fahrzeughalter also nicht mitzuführen.

Haarwild (Fuchs)

Wildschaden: Welche Tiere zählen zum Haarwild?

Eine Vollkaskoversicherung zahlt in der Regel bei jedem Wildunfall. Verfügen Sie nur über eine Teilkaskoversicherung, kann es bei einem Wildschaden entscheidend sein, von welcher Tierart der Unfall verursacht wurde. Nicht bei allen Versicherern ist, wie bei ERGO, der Zusammenstoß mit allen Tieren versichert.

Manchmal beschränkt sich die Schadensleistung auf Haarwild. Die Jägersprache unterscheidet Haar- und Federwild (Wildvögel wie Fasane und Stockenten). Zum Haarwild zählen zum Beispiel Rot-, Dam- und Rehwild (wie Rehe und Hirsche), Schwarzwild (etwa Wildschweine), Füchse, Wisente, Fischotter und Seehunde. Eine umfassende Aufzählung finden Sie in § 2 Abs. 1 Nr. 1 des Bundesjagdgesetzes.

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