Long Covid: Welche Folgen hat die Erkrankung?

Genesen, aber nicht gesund: Immer mehr Menschen klagen nach überstandener Covid-Infektion über Langzeitfolgen. Betroffene sollten sich nicht entmutigen lassen. Behandlungsmöglichkeiten werden intensiv erforscht und oft besteht Anspruch auf eine Reha-Maßnahme.

Welche Symptomatik beobachtet die Universitätsmedizin?

Mehr als 21 Millionen Deutsche (Stand 26.04.2022) gelten als genesen, doch bei immer mehr Menschen führt SARS-CoV-2 zu Langzeitfolgen. Das Krankheitsbild ist bekannt als Long Covid bzw. Post Covid: Beschwerden, die ein bis drei Monate nach der akuten Infektion mit dem Virus auftreten. Hauptsymptome sind Erschöpfung und Kurzatmigkeit. Hinzu kann eine Vielzahl weiterer Beeinträchtigungen kommen. Dazu zählen Kopf- und Muskelschmerzen, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen und Angstzustände, Geruchsverlust wie auch eine Herzmuskelentzündung. Diagnose und Behandlung von Long Covid sind komplex. 17 Fachverbände haben hierzu aber bereits eine Leitlinie zu Diagnostik und Therapie auch für Betroffene und Angehörige erstellt.

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Wie werden Langzeitfolgen behandelt?

COVID-19 (ICD U07.1) ist heute als Multiorgan-Krankheit mit einem breiten Spektrum von Manifestationen anerkannt. Ähnlich wie bei anderen Infektionskrankheiten, z. B. der Epstein-Barr-Virus-Erkrankung, gibt es nach einer akuten Covid-Infektion anhaltende oder auch neu aufgetretene Beschwerden. Meist nehmen diese im Verlauf wieder ab oder verschwinden vollständig.

Die erste Fallbeschreibung von Long Covid gab die Weltgesundheitsorganisation im Oktober 2021 heraus. Behandlungsoptionen werden interdisziplinär erforscht. Oft lindert eine zusätzliche Impfdosis zur Unterstützung des Immunsystems die Beschwerden. Eine Anlaufstelle bei Verdacht auf Long/Post Covid ist zunächst der Hausarzt, der gezielt an Fachärzte bzw. an eine Post COVID Ambulanz zur diagnostischen Abklärung überweisen kann. Gezielt können so Behandlungen eingeleitet werden. Rehabilitationsmaßnahmen können abhängig von der Schwere der Symptomatik sinnvoll sein.

Schwerpunkt sind meist die ambulante Therapie und das Eigentraining: Hierzu zählen je nach erforderlichem Therapieschwerpunkt insbesondere die Physiotherapie mit Atemtherapie, Krankengymnastik und manueller Therapie zur Förderung von Kraft, Ausdauer, Gehvermögen und Koordination, die Ergotherapie zur Verbesserung von sensiblen und motorischen Arm- und Hand-Funktionen, ein Training von Alltagsaktivitäten und Hirnleistungstraining, Neuropsychologie zur genaueren Diagnostik von Konzentration, Gedächtnis, Worteinfall und Planungsvermögen, Psychotherapie zur Behandlung emotionaler Störungen (u. a. Depressivität, Ängste), Logopädie zur Behandlung von Sprachstörungen bzw. Schluckstörungen. Die Intensität der Behandlung muss dabei an die Belastbarkeit angepasst werden.

Wer ist gefährdet?

Laut Robert Koch-Institut lässt sich die Frage, wie häufig Long/Post Covid auftritt, aus der Studienlage noch nicht verlässlich beantworten. Sie ist mit einer Häufigkeit von bis zu 15 Prozent anzunehmen. Auch bei der Suche nach Risikofaktoren zeichnen sich nur Tendenzen ab. Längerfristige gesundheitliche Folgen treten sowohl bei schweren als auch bei milden Verläufen auf. Frauen scheinen häufiger betroffen zu sein.

Wegen des kurzen Zeitraums erlaubt die Datenlage aber noch keine gesicherten Aussagen. Zudem beziehen sich die Erhebungen auf frühere Wellen, neue Virusmutationen berücksichtigen sie noch nicht.

Covid-19 – genesen bedeutet nicht immer gesund

Die Deutsche Krankenversicherung AG DKV unterstützt ihre vollversicherten Kunden mit einem speziellen Long-Covid-Gesundheitsprogramm. Ein wesentliches Kernelement des Gesundheitsprogramms ist die strukturierte telefonische Betreuung durch einen persönlichen Coach. Die Kunden werden entsprechend ihren individuellen Symptomen und den damit verbundenen Beeinträchtigungen betreut. Eine App bietet zusätzlich praktische Unterstützung. Die Programmdauer beträgt zwölf Monate und ist für vollversicherte Kunden der DKV kostenlos und unverbindlich.

Wann haben Long-Covid-Patienten Anspruch auf Reha?

Gesetzlich Versicherte haben Anspruch auf eine Reha-Maßnahme, wenn sie erwerbstätig sind und die Arbeitsfähigkeit durch Long Covid gefährdet ist. Der Antrag dazu muss bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) gestellt werden. Die Maßnahme kann online beantragt werden.

Notwendig dazu ist ein Befundbericht des behandelnden Arztes, für den dieser ein vorgefertigtes Formular der DRV verwenden kann.

Nach dem Antragseingang prüft der sozialmedizinische Dienst der DRV, ob die Voraussetzungen vorliegen, wählt entsprechend der eingereichten Diagnose eine geeignete Reha-Einrichtung aus und entscheidet, wie lange die Maßnahme dauern soll.

Auch chronisch beeinträchtigte Kinder und Jugendliche, die unter den Spätfolgen einer Covid-Infektion leiden, können bei der DRV eine medizinische Rehabilitation erhalten.

Die DKV stellt für ihre privat Versicherten ein spezielles Long-Covid-Gesundheitsprogramm bereit, das Patienten mit einem persönlichen Coach und einer App gezielt unterstützt, informiert und motiviert. Die Teilnahme an dem zwölf Monate dauernden Programm ist für vollversicherte Kunden. Mehr über dieses Programm erfahren Sie hier.

Was weiß man über Long Covid bei Kindern?

Besonders bei Heranwachsenden vermischen sich medizinische Spätfolgen einer Infektion mit indirekten, psychischen Reaktionen auf die soziale Ausnahmesituation. Angstzustände beispielsweise treten bei immer mehr Kindern und Jugendlichen auf, je länger die Pandemie fortdauert und ihre Lebensqualität einschränkt. In sehr seltenen Fällen beobachtet die Pädiatrie eine starke entzündliche Immunreaktion (das sogenannte Pediatric Inflammatory Multisystemic Syndrome, kurz PIMS). Dabei kommt es zu einer Schock-Symptomatik mit vorübergehender Herz-Kreislauf-Insuffizienz. PIM ist jedoch sehr gut behandelbar.

Was Betroffene sonst noch tun können

Das Wichtigste für Erkrankte: aktiv bleiben und die oben genannten Maßnahmen wie Physiotherapie mit Atemtherapie, Krankengymnastik und manuelle Therapie, Ergotherapie, Neuropsychologie sowie Logopädie nutzen.

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